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Relative Strength Index (RSI): So funktioniert der Indikator

Der Relative Strength Index ist ein wichtiges Tool zur technischen Analyse von Aktienkursen. Doch wie nutzt man ihn und welche Informationen können mithilfe des RSI gewonnen werden? Kryptoszene erklärt den Index.
Zuletzt Aktualisiert: 07. September 2020

Für erfahrene Aktienhändler gehört der RSI zum festen Bestandteil in der Chartanalyse. Wir haben uns den Indikator einmal genauer angesehen.

Inhalt

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    Was ist der RSI?

    Der Relative Strength Index (kurz RSI) ist ein vom amerikanischen Maschinenbauingenieur W. Wilder entwickelter Indikator, der für Kursprognosen im Finanzbereich genutzt wird. Er kann zum Beispiel zur technischen Analyse von Aktienwerten, aber auch von Kryptowährungen eingesetzt werden. Der RSI Indikator ist heute einer der Standardindikatoren in jedem Charting-Tool. Die Benennung des Indikators war etwas unglücklich, da er einen Vergleich verschiedener Basiswerte untereinander nahe legt, um zu untersuchen, welcher der Werte eine überdurchschnittliche und welcher eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung aufweist. Eine solche Aussage ist laut Wilder beim RSI jedoch nicht möglich. Es ist vielmehr ein weiteres Momentum-Konzept für nur einen einzigen Basiswert. Zu den anderen bekannten technischen Analysen zählen zum Beispiel der MACD Indikator und der Momentum Indikator.

     

    Index photo

    Nur die Stärke der Kursverluste in dem vom Händler festgelegten Zeitraum wird mit der Stärke der in diesem Zeitraum verfügbaren Gewinne verglichen. In diesem Sinne zeigt der Relative Strength Index eher die innere Stärke des beschriebenen Basiswerts und versucht auch, einige negative Aspekte des klassischen Momentum-Indikators zu beseitigen.
    Der RSI hat zwei wichtige Vorteile gegenüber dem klassischen Momentum-Indikator. Die gleichzeitige Berechnung der Aufwärts- und Abwärtskraft glättet den Kursverlauf im „RSI“, das heißt drastische Kursänderungen des Basiswerts verzerrt die „RSI“ -Linie weniger stark. Darüber hinaus ermöglicht die Formalisierung zwischen 0 und 100 klarere Vergleiche verschiedener Titel. Der „RSI“ zeigt kurz-, mittel- oder langfristige Übertreibungen im Verlauf des Kurses an (überkauft, überverkauft), wobei es wie bei anderen Oszillatoren zahlreiche mögliche Variationen in der Anwendung gibt.

    Wie wird der RSI berechnet?

    Zur Bestimmung des RSI wird zunächst die Summe aller positiven und negativen Kursänderungen in einer bestimmten Zeitspanne errechnet und daraus der Mittelwert abgeleitet. Indikator-Erfinder Wilder hat zur Berechnung 14 Tage als Zeitraum gewählt. Der RSI lässt sich aber genauso auch für kürzere und längere Zeitspannen bestimmen – zu den gängigen Zeiträumen gehören etwa sieben oder 25 Tage. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Volatilität bei einem kürzeren Zeitraum höher ist, während bei einem längeren Zeitraum weniger Signale zu sehen sind. Der Relative Strength Index bewegt sich immer in einem Korridor zwischen theoretisch 0 und 100. In der Praxis befindet sich der Wert aber in der Regel zitschen 10 und 90. Die Formel zur Berechnung des RSI-Wertes lautet folgerichtig:

    RSI = 100 – 100/(1+RS)

    RS steht dabei für den Quotienten der durchschnittlichen Kursgewinne, geteilt durch die durchschnittlichen Kursverluste in einem bestimmten Zeitraum.

    Welche charttechnischen Signale gibt es beim RSI?

    Die so genannten Signale treten immer dann auf, wenn der RSI bestimmte Schwellenwerte erreicht. So tritt das Signal „Überkauft“ bei einem RSI von mehr als 70 auf. Das Signal „Überverkauft“ tritt indes im RSI-Bereich von unter 30 auf. Allerdings sind diese Grenzen nicht fest, sondern hängen auch von der Gesamtsituation des Marktes auf. So liegen die Signale für „Überkauft“ und „Überverkauft“ in einem Bullenmarkt (Markt mit steigendem Trend) eher bei 80 und 40. In einem Bullenmarkt (Markt mit fallendem Trend) befinden sich die Signale indes eher bei 60 und 20.

    Aktien mit einem Relative Strength Index von über 70 Prozent werden als „überkauft“ betrachtet, Werte mit einem RSI unter 30 Prozent als „überverkauft“. Manche Analysten passen diese Werte je nach Börsenumfeld an.

    Welche Interpretationsmöglichkeiten hat der Relative Strength Index?

    Überschreitet der Kurs eine der Schwellenwerte in Richtung Mittelwert wird dies als Kauf- oder Verkaufssignal eingestuft. Ein Durchschreiten der unteren Grenze bedeutet, dass der Markt von Verkäufern dominiert wird und in Kürze eine Erholung des Kurses zu erwarten ist. Durchbricht der RSI hingegen die obere Grenze, ist mit Kurskorrekturen zu rechnen.

    Fehlerschwankungen (Failure Swings) sind ein weiteres Ereignis, von dem Wilder glaubte, dass es die Wahrscheinlichkeit einer Preisumkehr erhöht. Zu beachten ist bei Ausfallschwankungen, dass sie völlig unabhängig vom Preis sind und sich ausschließlich auf den Relative Strength Index verlassen. Fehlerschwankungen bestehen aus vier „Schritten“ und werden entweder als bullisch (Kaufgelegenheit) oder bärisch (Verkaufschance) angesehen.

     

    Bullische Fehlerschwankungen sind demnach:

    • RSI fällt unter 30 (gilt als überverkauft).
    • Relative Strength Index springt über 30 zurück.
    • RSI zieht sich zurück, bleibt aber über 30 (bleibt überverkauft)
    • Der RSI bricht über seinem vorherigen Hoch aus.

    Fehlerschwankungen eines Bärenmarktes sind:

    • RSI steigt über 70 (gilt als überkauft)
    • Relative Strength Index fällt wieder unter 70
    • RSI steigt leicht an, bleibt aber unter 70 (bleibt unter überkauft)
    • Der RSI fällt niedriger als sein vorheriges Tief.

    Was sagt die Divergenz aus?

    Das RSI-Konzept von W. Wilder wurde von anderen aufgegriffen und weiterentwickelt. Zu ihnen zählt der Technische Analyst Andrew Cardwell. Er hat unter anderem Wilders Divergenz-Theorie untersucht. Dabei handelt es sich um abweichende Kursbewegungen zwischen dem RSI und dem Verlauf im Basiswert. Legt man eine nach oben gerichtete Kursbewegung zu Grunde, spricht man von einer bärischen Divergenz, sofern Relative Strength Index und Basiswert nach einem Hochpunkt einer Kurskorrektur unterworfen werden und im nächsten Schritt eine Kaufenwelle im Basiswert erfolgt. Dabei erreicht der Basiswert einen neuen Hochpunkt, den der RIS nicht erreichen kann.
    Cardwell zieht aus seiner Divergenz-Betrachtung folgende Schlüsse:

    • Eine bullische Divergenz tritt nur in einem rückläufigen Trend auf.
    • Eine bärische Divergenz tritt nur in einem bullischen Trend auf.

    Sowohl die bullische als auch die bärische Divergenz führen normalerweise zu einer kurzen Preiskorrektur und nicht zu einer tatsächlichen Trendumkehr.

    Positive und negative Umkehrungen

    Cardwell entdeckte auch sogenannte positive und negative Umkehrungen. Positive und negative Umkehrungen sind grundsätzlich das Gegenteil von Divergenz. Eine positive Umkehrung tritt auf, wenn der Preis ein höheres Tief erreicht, während der Relative Strength Index ein niedrigeres Tief erreicht. Der Preis steigt weiter. Positive Umkehrungen treten nur bei bullischen Trends auf.

    plus minus photoEine negative Umkehrung tritt auf, wenn der Preis ein niedrigeres Hoch erreicht, während der Relative Strength Index ein höheres Hoch erreicht. Der Preis fällt weiter. Negative Umkehrungen treten nur bei rückläufigen Trends auf.
    Positive und negative Umkehrungen können reduziert werden, wenn der Preis die Dynamik übertrifft. Und da positive und negative Umkehrungen nur in den angegebenen Trends auftreten, können sie als weiteres Werkzeug zur Trendbestätigung verwendet werden.

    Bei den Divergenzanalysen zum Relative Strength Index ist zu bemerken, dass nur der Schlusskurs einer Kerze im RSI enthalten. Folgerichtig sind Hoch- und Tiefstände innerhalb einer Kerze für die Divergenzanalyse irrelevant. Anleger, die sich nach der Divergenzanalyse richten, handeln zudem immer gegen den aktuellen Trend. Allerdings muss nicht bei jedem Trendwechsel eine Divergenzbildung stattfinden. So bleibt die Divergenzmethode ein Tool unter vielen, dass für sich genommen Anlegern keine absolute Verlässlichkeit bieten kann.

    Neben der Divergenzanalyse und der Untersuchung von Extremzuständen im Kursverlauf, kann auch eine Formationsanalyse des RSI durchgeführt werden, um weitere Erkenntnisse für Kursprognosen zu gewinnen. Dabei kann der Kursverlauf auf Chartmuster wie Trendumkehrungen, Unterstützungen, Widerstände oder Doppeltief- und -hochpunkte untersucht werden.

    Der Stochastische RSI

    Abgeleitet vom RSI gibt es den Stochastic RSI (StochRSI) als technischen Indikator. Seine Funktionsweise beschrieben wurde erst viel später, im Jahr 1994. Mit seiner Hilfe können Händler von Aktien, Devisen oder Kryptowährungen berechnen, ebenfalls berechnen, ob ein Vermögenswert überkauft oder überverkauft ist. Dazu wird Schlusskurs eines Vermögenswertes sowie sein höchstes und niedrigstes Niveau innerhalb eines bestimmten Zeitraums bestimmt. Üblich ist dabei ein Zeitraum von 14 Tagen.

    Die Berechnung des StochRSI erfolgt auf Basis des RSI. Die Formel dazu lautet:

    Stoch RSI = (aktueller RSI – tiefster RSI)/(höchster RSI – tiefster RSI)

    Als Ergebnis der Berechnung erhält man eine einzelne numerische Bewertung, die innerhalb eines Bereichs von 0-1 um eine Mittellinie schwingt. Allerdings ist es auch üblich, den StochRSI mit 100 zu multiplizieren, so dass die Werte wie beim RSI in einer Spanne zwischen 0 und 100 liegen. Bei Anwendung dieser liegt bei 50 eine Mittellinie. Das Signal überkauft tritt bei einem Wert von 80 auf, das überverkaufte Signal bei 20.

    Gegenüber dem klassischen Relative Strength Index ist der Stochastic RSI technisch feiner eingestellt und damit ein schnellerer Indikator, der eine höhere Anzahl von Handelssignalen erzeugt. Trader haben somit ein größeres Potenzial aktuelle Kurstrends und mögliche Kauf- und Verkaufspunkte zu analysieren. Der Nachteil: Durch die Vielzahl der Signale, die der StochRSI erzeugt, ist das Risiko höher, dass ein „Fehlalarm“ ausgelöst wird und Trader zu schnell kaufen oder verkaufen. Mit der Anwendung von gleitenden Durchschnittswerten (SMA) kann die Zahl der Fehlersignale jedoch reduziert werden.

    Alternativen zum RSI

    Wie bereits erwähnt gibt es neben dem RSI und dem StochRSI zahlreiche weitere Indikatoren die Anleger nutzen können, um aktuelle Kurstrends zu bestimmen und Hinweise auf gute Kauf- und Verkaufspunkte zu erhalten. Zu den wichtigsten Instrumenten zählen unter anderem das Momentum und der MACD.

    MACD

    Die Abkürzung steht für Moving Average Convergence/Divergence und beschreibt das Zusammenlaufen bzw. das auseinanderlaufen des gleitenden Durchschnitts. MACD zählt zu den trendfolgenden technischen Indikatoren. Um den MACD zu berechnen muss die Differenz von zwei exponentiell gleitenden Durchschnitten gebildet werden. Dabei wird vom kürzeren Durchschnitt der Wert des längeren Durchschnitts subtrahiert. Steigt der MACD an, spricht dies für einen Aufwärtstrend. Fällt der MACD hingegen, spricht dies für einen Abwärtstrend am Markt. Auch Kauf- und Verkaufssignale können aus dem MACD abgelesen werden.

    Momentum

    Ein absoluter Standard-Indikator ist das Momentum. Die Berechnung des Momentums ist relativ simpel. Der aktuelle Schlusskurs eines Basiswerts wird durch den Schlusskurs vor einem Zeitraum X geteilt und das Ergebnis mit 100 multipliziert. Der herauskommende Wert ist das Momentum. Es handelt sich damit um einen reinen Trendindikator. Für tiefergehende Analysen sind weitere Indikatoren nötig. Mehr über die Momentum Strategie kann man hier lesen.

    Fazit

    Der Relative Strength Index gehört zu den wichtigsten Instrumenten für Anleger. Allerdings gilt: Anleger sollten nicht nur die Ergebnisse eines Indikators bei ihren Kauf- und Verkaufsentscheidungen berücksichtigen, sondern mehrere Indikatoren betrachten. Je ähnlicher dabei die Ergebnisse ausfallen, desto eher kann sich der Anleger danach richten. Allerdings kann keiner der Indikatoren eine Garantie geben, dass es wirklich so kommt.

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    Relative Strength Index: FAQs

    Was ist der RSI?

    Der Relative Strength Index wurde vom amerikanischen Maschinenbauingenieur W. Wilder entwickelt. Es handelt sich hierbei um einen Indikator, der für Kursprognosen im Finanzbereich genutzt wird

    Wie errechnet sich der RSI?

    Die Formel für den RSI lautet: RSI = 100 - 100/(1+RS). RS steht dabei für den Quotienten der durchschnittlichen Kursgewinne, geteilt durch die durchschnittlichen Kursverluste in einem bestimmten Zeitraum.

    Gibt es Alternativen zum Relative Strength Index?

    Ja. Unter anderem werden das Moving Average Convergence/Divergence (MACD) und das Momentum für eigene Handelsstrategien verwendet.

    Genügt die Anwendung des RSI, wenn ich erfolgreich traden möchte?

    Nein. Der RSI ist zwar ein nützlicher Indikator, man sollte jedoch eine Kombination aus verschiedenen Strategien anwenden, wenn man den maximalen Profit aus dem eigenen Trading herausholen möchte. Ein Indikator allein ist zwar ein guter Anfang, aber für die Entwicklung einer geeigneten Handelsstrategie zu wenig.

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    Steffen hat Medien, Politik und Kulturwissenschaft studiert und nebenher bereits erste Erfahrungen im Print-, Radio- und Hörfunkjournalismus gesammelt. Nach seinem Studienabschluss hat er seine Journalistenausbildung in einem Verlag für Wirtschaft & Sport absolviert. Dem Wirtschaftsjournalismus ist er auch bei seinen weiteren Tätigkeiten als Redakteur stets treu geblieben und verfügt inzwischen über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung. Er interessiert sich für Finanzthemen aller Art, Aktien und Kryptowährungen sind sein Steckenpferd.