Steuern

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Sind Gewinne aus dem Bitcoin- und Kryptohandel steuerfrei?
Aufgrund des starken Kursanstiegs in den letzten Monaten, haben einige Spekulanten mit Kryptowährungen mittlerweile ganz ordentliche Gewinne erziehlt. Wir wollen einmal der Frage nachgehen ob diese Gewinne auch verteuert werden müssen.

Steuerliche Einordnung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen.
Wer meint, dass die deutsche Steuergesetzgebung sich noch nicht mit Bitcoin auseinandergesetzt der irrt gewaltig. Bereits im Jahr 2013 hat sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erstmals mit dem Thema auseinandergesetzt.

Die BaFin hat dabei Bitcoin und andere Kryptowährungen als Finanzinstrument in Form von Rechnungseinheiten gemäß $ 1 Absatz 11 Satz 1 Kreditwesengesetz(KWG) eingeordnet. Kryptowährungen sind daher vergleichbar mit Devisen. Diese Einschätzung wurde im Jahr 2016 noch einmal bestätigt. Grund für die Einschätzung ist, dass Kryptowährungen 3 Haupteigenschaften erfüllen:

  • Bitcoins lassen sich in Recheneinheiten unterteilen
  • sie können als Tauschmittel genutzt werden
  • Bitcoins eignen sich zur Wertaufbewahrung

Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) hat diese Einschätzung übernommen.

Wie werden Gewinne aus Bitcoin und Krypto Verkäufen jetzt versteuert?
Gewinne die mit dem Verkauf von Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum, IOTA etc.) erzielt werden gelten als private Veräußerungsgeschäfte. Diese werden mit dem eigenen Steuersatz versteuert (0-45%), wenn zwischen dem Erwerb und dem Verkauf weniger als 1 Jahr vergangen sind. Also wenn ich Bitcoin (oder jede andere Kryptowährung) kaufe und sie nach weniger als einem Jahr wieder verkaufe müssen diese Gewinne versteuert werden. Diese werden dann mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Bei Spitzenverdienern kann der persönliche Steuersatz bis zu 45% betragen. Es gibt allerdings eine Freigrenze von 600€. Liegt der Gewinn allerdings über 600€, zum Beispiel bei 700€, dann wird die Steuer nicht nur für die 100€ Differenz fällig sondern für die kompletten 700€ (da es sich um eine Freigrenze handelt und nicht um einen Freibetrag).

Wenn die Kryptowährung länger als 1 Jahr gehalten wird sind die Veräußerungsgewinne steuerfrei. Also wenn ich im Mai 2016 Bitcoins gekauft habe und diese im Juli 2017 wieder verkauft habe wird für den erzielten Gewinn keine Steuer fällig.

Eine Ausnahme gibt es wenn ich für die Kryptowährung die ich besitze Zinsen erhalte. Das ist zum Beispiel beim “Margin Lending” der Fall also wenn ich meine Bitcoins gegen einen täglichen Zins verleihe. In dem Fall wird für den Zinsgewinn die Kapitalertragssteuer fällig. Außerdem verlängert sich die Spekulationsfrist von 1 Jahr auf 10 Jahre. Die Bitcoins müssen dann 10 Jahre gehalten werden um sie steuerfrei verkaufen zu können.

Wie muss ich meine Bitcoin Transaktionen dokumentieren?
Um eure Käufe und Verkäufe von Kryptowährungen für das Finanzamt transparent zu machen habt ihr eine Dokumentationspflicht. Wie ihr die Transaktionen dokumentieren müsst ist nicht genau vorgeschrieben. Eine Excel Liste reicht also völlig aus. In dieser sollte ihr eintragen wann ihr welche Kryptowährung gekauft habt, was der Preis dafür war und wie viel ihr davon gekauft habt. Das Gleiche müsst ihr auch für jeden Kryptoverkauf tun.

Für die Transaktionen wendet ihr am besten das FIFO (First in First out) Prinzip an. Das heißt wenn ihr zum Beispiel jeden Monat einen Bitcoin kauft und nach 13 Monaten verkauft ihr den ersten, dann könnt ihr die maximal längste Haltedauer ansetzen von 13 Monaten. Denn ihr verkauft in dem Moment den Bitcoin den ihr zuerst gekauft habt und nicht den letzten.

Wer entscheidet über die Steuerfreiheit?
Ihr selber könnt nicht darüber entscheiden ob der Verkauf der Bitcoins (oder anderer Kryptowährungen) steuerfrei war. Also auch wenn ihr die Kryptowährung länger als 12 Monate gehalten habt müsst ihr sie noch in der Steuererklärung angeben! Das Finanzamt stellt dann erst die Steuerbefreiung fest. Also egal wie lange ihr die Kryptowährungen gehalten habt, ihr müsst die Transaktionen auf jeden Fall in euerer Steuererklärung angeben.

Wo gebe ich Kryptogewinne an?
Gewinne die ihr mit dem Verkauf von Kryptowährungen erzielt müsst ihr in der Steuererklärung angeben. Für den Fall müsst ihr die sogenannte “Anlage SO” ausfüllen.

Steuererklärung Anlage SO

In dieser gibt es auch ein Feld für die “privaten Veräußerungsgewinne” hier tragt ihr dann eure Kryptogewinne ein. Als Anlage packt ihr die ausgedruckte Excel Datei dazu, in der ihr alle Transaktionen dokumentiert habt.

Die Gewinne müssen immer dann angegeben werden, wenn sie auch realisiert werden. Also nur weil der Kurs gestiegen ist heißt es nicht, dass ihr Gewinne erzielt habt. Diese habt ihr erst erzielt wenn ihr die jeweilige Kryptowährung auch verkauft habt. Erst dann kommt auch die Steuerpflicht ins Spiel.

Was passiert bei Verlusten?
Derzeit schwer vorstellbar aber ihr könnt mit dem Handel von Kryptowährungen natürlich auch über das Jahr gesehen einen Verlust erzielt haben. Auch in diesem Fall ist es sinnvoll den Verlust in der Steuererklärung (wieder Anlage SO) anzugeben. Denn für den Verlust könnt ihr einen Verlustvortrag bekommen. Dieser sorgt dann dafür, dass ihr den mit dem Gewinn, den ihr dann hoffentlich im nächsten Jahr erziehlt, verrechnen könnt.

Wie ist es beim Mining?
Miner werden steuerlich komplett anders behandelt als normale Spekulanten. Miner gelten im Steuergesetz als Gewerbetreibende nach §15 EStG. Gewinne die Miner mit dem Verkauf von Kryptowährungen erziehlen gelten also NICHT als private Veräußerungsgeschäfte. Daher müssen Miner eine Einnahmenüberschussrechnung oder eine Bilanz erstellen. In dieser können sie dann aber alle Kosten anrechnen, die sie zum Minen hatten also zum Beispiel Strom und Miete. Die Umsätze die Miner erzielen sind dann umsatzsteuerfrei, von daher haben sie auch kein Anrecht auf Vorsteuerabzug.

Also Achtung wenn ihr selber Bitcoin oder andere Kryptowährungen minen wollt. Steuerlich ist dies noch einmal komplizierter und ihr müsste alle Gewinne versteuern egal wie lage ihr die Bitcoins (oder andere Kryptos) gehalten habt.

Wie ist die Besteuerung beim Cloudmining?
Die Besteuerung vom Cloudmining ist etwas komplizierter als das Mining von Zuhause. Beim Cloudmining kommt es immer auf den Einzelfall an und wie der Cloudminingvertrag gestaltet ist.
Grundsätzlich erfüllt das Cloudmining auch die Anforderungen an ein Gewerbe, auch wenn ihr die Hardware dazu nicht Zuhause habt. Fraglich bleibt ob es sich beim Cloudmining um eine selbstständige Tätigkeit handelt. Habt ihr zum Beispiel Einfluss darauf was gemined wird und ihr könnt die Hardware verändern (auf- oder abrüsten), dann ist in der Regel von einer selbstständigen Tätigkeit auszugehen. In diesem Fall müsstet ihr ein Gewerbe anmelden und eine Einnahmenüberschussrechnung (oder Bilanz) erstellen.

Wenn ihr nur eine fixe Summe überwiesen habt und dafür regelmäßig eine Auszahlung erhaltet ohne das ihr Einfluss auf das Mining habt, dann spricht viel gegen eine Selbstständigkeit.

Fazit
Die Gewinne, die ihr mit dem Kauf und späteren Verkauf von Kryptowährungen erziehlt sind steuerfrei, vorausgesetzt ihr habt die Kryptowährung mindestens 1 Jahr gehalten. Wenn ihr sie nach weniger als einem Jahr wieder verkauft ist für den daraus erzielten Gewinn der persönliche Steuersatz anzuwenden (0-45%).

Tools
Da es ziemlich nervig ist seine Trades alle zu tracken und nachzuverfolgen gibt es jetzt auch Tools die euch dabei unterstützen. Hier in Deutschland eignet sich am besten Cointracking.

Podcast
Zu dem Thema habe ich auch einen Podcast mit dem Steuerberater Matthias Steger von Bitcoin-tax.de aufgenommen. In dem Podcast sprechen wir über aller steuerlich relevanten Punkte von Kryptowährungen. Darüber hinaus behandeln wir auch noch das Thema Mining und ICOs (Initial Coin Offerings).

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Video
In dem Video fasse ich die Erkenntnisse noch einmal zusammen.

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