Quirion CEO Martin Daut: „ETFs sind das optimale Instrument für die Geldanlage“

Martin Daut ist CEO des Robo Advisors quirion. Im Gespräch mit Kryptoszene.de spricht er über ETF-Sparpläne, dem Potenzial von digitalen Vermögensverwaltern und warum es für eine Anlage egal wäre, wenn die Märkte gerade überhitzten.

Hallo Herr Daut, wie sieht denn der typische quirion Kunde aus? Männliche Millenials aus der Mittelschicht?

Auch wenn das eine schöne Alliteration ist: Es passt nicht ganz. Männlich und Mittelschicht stimmt im Prinzip. Allerdings sind unsere Kunden aktuell im Durchschnitt älter als die Millenials. Das hängt natürlich damit zusammen, dass Geldanlage für viele Menschen erst ein Thema wird, wenn auch Geld zum Anlegen vorhanden ist. Durch Angebote wie unseren ETF-Sparplan und die Absenkung von Mindestanlagen bei der Einmalanlage sinkt der Altersschnitt allerdings.

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Außerdem sind 30 % unserer Kunden weiblich. Das ist doch mehr als bei normalen Finanzdienstleistern und wir möchten den Anteil der Kundinnen noch weiter ausbauen. Außerdem erkennen immer mehr Menschen, dass es sinnvoll ist, möglichst früh mit einem ETF-Sparplan zu starten. Dazu ein Beispiel: Wer 30 Jahre monatlich 100 Euro in einen Sparplan investiert und im Schnitt 6 % Rendite im Jahr erzielt, hat nach 30 Jahren fast 100.000 Euro. Steigt man erst 10 Jahre später ein, sind es nach 20 Jahren Spardauer deutlich weniger als die Hälfte – nämlich „nur“ etwa 45.000 Euro.

„Niemand kann die Entwicklung der Märkte kurz- und mittelfristig vorhersagen“

Die Anzahl an verschiedenen Robo Advisorn hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Erleben wir gerade eine kleine Robo Revolution am Anlagemarkt?

Ich bin absolut überzeugt, dass die digitale Vermögensverwaltung noch enormes Potenzial hat. Der Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung war in der Vergangenheit oft erst ab einem mittleren sechsstelligen Betrag möglich. Insofern revolutionieren und demokratisieren die Robos den Markt tatsächlich. Ob es aber mehr als 30 Anbieter braucht, sei mal dahingestellt. quirion ist der älteste Robo in Deutschland und mit fast 650 Mio. Euro verwaltetem Vermögen auch einer der größten – und wir wachsen weiter.

Wie viel Robo steckt in Ihrem Angebot? Spielt da auch künstliche Intelligenz eine Rolle?

Ehrlich gesagt nicht, auch wenn das viele glauben. Kein Robo hat eine Glaskugel. Niemand kann die Entwicklung der Märkte kurz- und mittelfristig vorhersagen. Das belegt die Kapitalmarktforschung eindeutig. Das bedeutet auch, dass kein Robo optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte in Krisensituationen wie Corona zuverlässig dauerhaft vorhersagen kann.

Gelingt es in Einzelfällen, hat es mehr mit Zufall zu tun. Im Kern geht es darum, ein optimal zum Kunden passendes Chance-/Risiko-Profil zu ermitteln und das dazu passende Portfolio zusammenzustellen. Im Anschluss muss das Depot überwacht werden und sichergestellt sein, dass es auch bei Bewegungen am Markt immer zum Kunden passt. Dabei kommt natürlich viel Technik zu Einsatz, aber keine KI im eigentlichen Sinn.

„Der weltweite Aktienmarkt wird sich langfristig positiv entwickeln“

Mit welchen Trends ist in dieser Hinsicht 2021 und in den Folgejahren zu rechnen?

Der Einsatz von KI ist dann sinnvoll, wenn sie einen Mehrwert bietet. Ein Einsatz, weil es „hipp“ ist, ist kein guter Grund. Ich glaube, dass sich Einsatzmöglichkeiten ergeben werden, das aber noch etwas dauern kann. Spannend sind Technologien wie Blockchain und Verbriefungen über Token. Auch die Regulatorik, also die Finanzaufsicht, beschäftigt sich immer stärker mit diesen Themen. Da wird es sicher neue Möglichkeiten für Finanzdienstleiter und die dahinterliegenden Prozesse geben.

ETFs sind bei digitalen Vermögensverwaltern häufig das Investment-Produkt der Wahl. Warum ist das so? Was macht ETFs so attraktiv auch für quirion?

Weil sie das optimale Instrument für die Geldanlage sind. Mit einem ETF investiere ich kostengünstig und breit gestreut. Das sind zwei elementare Voraussetzungen für eine nachhaltig erfolgreiche Geldanlage. Unser Ziel ist es, den Weltmarkt möglichst komplett abzubilden. Aktuell legen wir so mit 10 ETFs in über 8000 Unternehmen in etwa 70 Ländern an. Die bereits im ETF enthaltenen Produktkosten liegen dabei bei nur 0,17 % jährlich. Dazu kommt dann die Verwaltungsgebühr des Robos. Bei quirion sind das beispielsweise 0,48% p.a. Das ist wirklich wenig – vor allem im Vergleich zu aktiv gemanagten Investmentfonds oder Anlagezertifikaten.

Und genau das ist übrigens auch der Grund, warum weder ETFs noch Robo-Advisor im Normalfall in der Bankfiliale angeboten werden. Mit anderen Produkten verdienen die Banken schlicht mehr. Wir wollen, dass die Rendite beim Kunden landet und nicht von Gebühren aufgefressen wird.

Nicht wenige Experten bescheinigen den Kapitalmärkten eine Überhitzung. Stimmen Sie dieser Einschätzung zu?

Ein wenig flapsig gesagt: Das ist eigentlich egal. Natürlich gibt es Indikatoren, die auf eine Überhitzung hindeuten. Ebenso findet man Begründungen, warum es noch weiter aufwärtsgehen muss. Und genau darum geht es uns als Robo Advisor, ich kann mich da nur wiederholen: Die Marktentwicklung korrekt vorauszusagen ist dauerhaft nicht möglich – da ist die Kapitalmarktforschung eindeutig. Sicher ist nur, dass der weltweite Aktienmarkt sich langfristig positiv entwickelt, denn er spiegelt ja die weltwirtschaftliche Entwicklung wider. Man muss also investiert sein und dabei bleiben.

„Kursschwankungen bei Kryptowährungen sind aktuell noch viel zu groß“

Wie kann man als Vermögensverwalter dafür sorgen, dass das Risiko der Kunden überschaubar bleibt?

Das ist eigentlich relativ einfach. Wir ermitteln das Rendite-Risiko-Profil des Kunden und legen das Geld dann dazu passend in einem Mix aus Aktien- und Anleihen-ETFs, also kostengünstigen, börsengehandelten Indexfonds, an. Das Risiko im Depot ist also auf das Profil des Kunden abgestimmt. Und dann kommt das sogenannte Rebalancing ins Spiel: Durch die Marktentwicklung verändert sich nämlich das Verhältnis von Aktien und Anleihen im Depot.

Bei steigenden Aktienkursen wird aus einem Verhältnis von 60% Aktien und 40% Anleihen beispielsweise ein Verhältnis von 75/15. Damit erhöht sich aber auch das Risiko – es passt nicht mehr zum eigentlichen Profil des Kunden. Mit dem Rebalancing stellen wir die ursprüngliche Gewichtung von beispielsweise 60/40 wieder her. Das machen wir regelmäßig und bei größeren Marktbewegungen. Damit bleibt das Risiko überschaubar und passt immer zum Profil des Kunden.

Wie stehen Sie denn eigentlich alternativen Anlagegütern wie beispielsweise Kryptowährungen gegenüber? Könnten Bitcoin und Co. zukünftig vielleicht Teil des quirion Portfolios werden?

Ganz ehrlich gesagt, kann ich mir das in der näheren Zukunft nicht vorstellen. Die Kursschwankungen bei Kryptowährungen sind aktuell noch viel zu groß. Damit sind sie für den langfristigen Vermögensaufbau kein optimales Instrument. Zusätzlich gibt es ja gesetzliche Anforderungen an einen Vermögensverwalter wie quirion. Privat finde ich das Thema und die dahinterstehenden Technologien aber extrem spannend, dieser Zukunft kann und darf man sich bestimmt nicht verschließen. Kunden, die Kryptowährungen als Anlageform interessant finden, würde ich eher raten, einen kleinen Teil ihrer Anlagesumme als Beimischung so anzulegen. Sie sollten sich aber bewusst sein, dass die Chancen mit einem deutlich höheren Risiko einhergehen.

Vielen Dank für das Gespräch

 

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Raphael Adrian

Nach meinem Journalismus Master 2013 war ich einige Jahre als Freelance Journalist und Autor aktiv. In dieser Zeit spezialisierte ich mich auf Finanzen, Business und Kryptowährungen. Seit November 2018 bin ich als Kryptoszene Chefredakteur tätig.

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