Inflation in den USA klettert auf höchsten Stand seit 2008: Gefahr für den Bitcoin?

Die Inflation in den Vereinigten Staaten von Amerika erreicht immer neue Rekordstände. Die Teuerungsrate stiegt jetzt um 5,4 Prozent. Das heißt, die Preissteigerung für Verbraucher von Produkten hat das stärkste Wachstum seit dem Jahr 2008 erreicht. Damit wurden sogar die pessimistischsten Erwartungen von Volkswirten noch übertroffen.

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Die Experten hatten mit einer Inflationsrate von nur 4,9 Prozent gerechnet, was einem leichten Rückgang gegenüber den 5 Prozent im Monat Mai 2021 bedeutet hätte. Tatsächlich ist die Inflation im Juni jedoch abermals gestiegen.

Handel zieht Preise für Waren und Dienstleistungen an

Als Grund für den sprunghaften Anstieg führen Marktbeobachter den Wegfall vieler Corona-Beschränkungen aufgrund sinkender Infektionszahlen zurück. Ob Hotels, Fluganbieter, Modegeschäfte oder Autovermietungen – alle Handelsunternehmen versuchen nun das wieder zunehmende Interesse an ihren Dienstleistungen zu nutzen, um höhere Preise durchzusetzen und damit auch wohl einen Teil der Einnahmeausfälle während der Pandemie zu kompensieren.

Befeuert hat die Inflation aber nach Meinung vieler Experten vor allem die ultralockere Geldpolitik in den USA der letzten Jahre. Davon hatten während der Pandemie vor allem die Aktienmärkte profitiert, die neue Rekordstände erreichten. Nicht nur in den USA verzeichneten Dow Jones, S&P 500 und andere Aktienindizes Rekorde, auch hierzulande hat der Dax innerhalb eines Jahres enormes Wachstum verzeichnet und seinen Wert gegenüber dem Corona-Tiefpunkt um mehr als 75 Prozent gesteigert.

Quelle: Google

Kryptomarkt profitiert von Inflation

Die ultralockere Geldpolitik hat aber auch dem Kryptomarkt genutzt. Da sich mit klassischen Anlagen wie dem Bankkonto kaum noch Renditen erzielen lassen bzw. sogar Negativzinsen drohen, haben immer mehr Investoren ihr Dollar-Vermögen in den Kauf von Bitcoin, Ethereum und Co. umgeschichtet.

In der Folgezeit haben Bitcoin und Co. bekanntlich neue Allzeitrekorde gefeiert. Von Tiefständen bei unter 4.000 Dollar im März 2020 ist der Bitcoin-Kurs ein Jahr später auf bis zu 65.000 Dollar explodiert. Ein Wachstum von über 1.500 Prozent, der von vielen Altcoins sogar noch übertroffen wurde und die Hausse am Aktienmarkt in den Schatten stellt.

Fed-Strategiewechsel wird immer wahrscheinlicher

Doch wird die steigende Inflationsrate nun womöglich zur Bremse für den Bitcoin-Kurs? Ein Strategiewechsel der US-Notenbank Fed wird immer wahrscheinlicher. Bislang hatte sie stets betont, dass es sich bei der steigenden Inflationsrate nur um ein vorübergehendes Ereignis handle und dies mit Sondereffekten begründet, die auch mit der Corona-Krise zusammenhängen.

Doch nun zeigt sich, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten trotz einem stark rückläufigen Infektionsgeschehen weiter zunehmen könnte, wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt und der Handel die Preisschraube für Verbraucher weiter anzieht.

Viele Experten erwarten deshalb, dass die US-Notenbank sich bald von der ultralockeren Geldpolitik verabschieden könnte. Möglicherweise noch in diesem Jahr. Das glaubt etwa Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Er erklärte gegenüber der Deutschen Presse Agentur (dpa): „Die Fed wird schon bald einen konkreten Fahrplan zum Ausstieg aus den Wertpapierkäufen vorlegen.“

US-Dollar gewinnt an Stärke

Erste Reaktionen der Finanzmärkte auf den möglichen Kursschwenk sind bereits zu erkennen. So hat der US-Dollar, der während der Corona-Krise so stark gelitten hat, einen Anstieg gegenüber dem Euro verzeichnet. Der Euro fiel unter 1,18 Dollar. Anfang des Jahres lag der Kurs indes noch bei 1,23 Dollar. Dies könnte ein Anzeichen dafür sein, dass der Dollar wieder an Stärke gewinnt und Investoren möglicherweise wieder stärker auf die Fiat-Währung setzen.

Interessant ist jedoch, dass die Börsen auf die Nachricht bislang kaum reagierten und bisher noch keine Anzeichen einer Blase erkennbar sind. Seit Monaten bewegen sich die Kurse weiter auf hohem Niveau, wenngleich das hohe Tempo der 2. Jahreshälfte 2020 und der ersten Monate von 2021 deutlich nachgelassen hat.

Anders sieht es jedoch am Kryptomarkt aus. Bitcoin, Ethereum und Co. befinden sich weiter im Korrekturmodus. Vor genau zwei Monaten haben die Kurse ihre starke Talfahrt begonnen und seitdem keinen nachhaltigen Aufwärtstrend mehr verzeichnen können. So bewegt sich etwa der Bitcoin-Kurs weiter im tiefen 30.000-Dollar-Bereich unter damit rund 50 Prozent unter den Notierungen im April 2021.

Bitcoin als Inflationsschutz begehrt

Was passiert mit dem Bitcoin-Kurs, wenn die Notenbank Fed ihren Kurs tatsächlich korrigiert und der Inflation den Kampf ansagt?

Womöglich ist das eine Gefahr für den Bitcoin-Kurs. Denn BTC wurde gerade während der Pandemie als Inflationsschutz angepriesen. Als die Infektionszahlen weltweit kletterten, die Geschäfte schließen mussten und die Regierungen milliardenschwere Hilfspakete auf Pump geschnürt haben, erlebte der Kryptomarkt die vielleicht beste Phase in seiner noch vergleichsweise jungen Geschichte. Das enorme Wachstum am Kryptomarkt fiel genau in diesen Zeitraum.

Die starke Korrelation zwischen einer rasant steigenden Umlaufmenge von Dollar und dem ansteigenden Bitcoin-Kurs, zeigt eindrucksvoll, das unten aufgeführte Schaubild. Noch nie hat die Notenbank soviel Dollar ausgegeben wie im Jahr 2020. Und hier ist ein Zeitfenster von knapp 60 Jahren gemeint. Den 1959 hat die US-amerikanische Zentralbank damit begonnen, die Geldmengenentwicklung aufzuzeichnen.

 


Mehr Dollar im Umlauf als je zuvor

Daten der Federal Reserve Bank of Saint Louis zeigen zudem, dass das Volumen der liquiden Geldmenge M1 (Banknoten, Münzen, Guthaben auf Tagesgeldkonten sowie Reisechecks) innerhalb nur eines Jahres zwischen März 2020 und Februar 2021 förmlich explodiert ist. Von rund 4,3 Billionen US-Dollar ist es auf 18,4 Billionen US-Dollar angewachsen, was einer Vervierfachung entspricht.

Sollte diese Geldpolitik jedoch beendet werden, könnte dies den Bitcoin schwächen. Den für viele Investoren ist der Bitcoin als Anlage gerade deshalb so interessant, weil er nicht wie der Dollar inflationär produziert werden kann. Die maximale Umlaufmenge des Bitcoin ist durch das Whitepaper von Sathoshi Nakamoto schließlich auf 21 Millionen BTC begrenzt.

Befürworter des Bitcoin halten die Kryptowährung vor allem deshalb für ein lukratives Zukunftsinvestment. Auch wenn sich Bitcoin vielleicht nicht als weltweite Währung durchsetzen werde, könnte BTC immer noch als Inflationsschutz dienen, so die These. Damit wird Bitcoin als ähnlicher Wertspeicher wie Gold angesehen. Steigende Nachfrage von Bitcoin kann in der Konsequenz nicht zu mehr in Umlauf kommende Bitcoin, sondern nur zu einem Anstieg des Preises führen.

Für den Bitcoin wäre eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik damit aller Wahrscheinlichkeit nach kein gutes Signal. Jedoch sollten Anleger von BTC jetzt nicht überstürzt ihre Bitcoin verkaufen.

Denn erstens hat die Notenbank Fed bisher noch gar keine Entscheidung bekannt gegeben, ihre Strategie zu ändern. Solange dies nicht beschlossen ist, handelt es sich nur um Spekulationen.

Und zweitens kann niemand voraussagen, wie sich die Inflation und die Dollarmenge langfristig entwickeln wird, selbst wenn die Fed zeitweise die Strategie ändert. Neue Krisen in der Zukunft könnten auch wieder zu einer neuen Dollar-Flut führen, um die Wirtschaft zu stützen. Dagegen scheint eines sicher: Der Bitcoin bleibt auch in 100 Jahren auf 21 Millionen BTC begrenzt und wird nie inflationär hergestellt werden.

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Steffen Bösweich

Steffen hat Medien, Politik und Kulturwissenschaft studiert und nebenher bereits erste Erfahrungen im Print-, Radio- und Hörfunkjournalismus gesammelt. Nach seinem Studienabschluss hat er seine Journalistenausbildung in einem Verlag für Wirtschaft & Sport absolviert. Dem Wirtschaftsjournalismus ist er auch bei seinen weiteren Tätigkeiten als Redakteur stets treu geblieben und verfügt inzwischen über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung. Er interessiert sich für Finanzthemen aller Art, Aktien und Kryptowährungen sind sein Steckenpferd.

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