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Interview mit SatoshiLabs CEO Marek Palatinus: “Damit Hacker keine Chance bekommen, müssen die potenziellen Opfer sich gut vorbereiten”

Mit dem Trezor-Wallet von SatoshiLabs können Bitcoin-Besitzer*innen nachts endlich ruhig schlafen. Das behaupten die tschechischen Spezialisten der digitalen Community, die seit sechs Jahren mit Bitcoin arbeiten. Kryptoszene.de hat sich in einem exklusiven Interview mit CEO und Gründer SatoshiLabs, Marek Palatinus, über die reale Problematik von Hackerangriffen unterhalten und geklärt, warum Sicherheit zuallererst bei einem selbst anfängt.

Guten Tag Herr Palatinus, erzählen Sie uns doch ein bisschen wie Sie in die Branche der Kryptowährungen gerutscht sind?

Ich war 2010 selbst Miner. Kurz danach startete ich Slushpool, das alle möglichen Miner versammelt und miteinander in Kontakt bringt. Danach passierten eine Reihe kritischer Hacks durch die viele Menschen Tausende von Bitcoins verloren. Gemeinsam mit anderen Bitcoin-Pionieren überlegten wir eine Lösung für das Problem: Wie kann jede*r seine Bitcoins sicher aufbewahren und schützen? 2012 entwarfen wir den Prototyp von Trezor One. Das weltweit erste Krypto-Hardware-Wallet. SatoshiLabs starteten dann ein Jahr später.

Lassen Sie uns über die Sicherheit von Trezor sprechen. Mal angenommen, ich schmeiße die Hardware ins Wasser oder zünde sie an. Bleibt Trezor trotzdem das sicherste Cold Wallet für Krypto-Assets auf dem Markt? 

Das kann ich ziemlich sicher mit „Ja“ beantworten. Die physische Haltbarkeit ist dabei aber nicht der wichtigste Aspekt des Hardware-Wallets. Der Recovery Seed, also der Zugangsschlüssel, kann auf anderen Trezor-Geräten verwendet werden. Und den kannst du auch mit feuerfesten Mitteln wie Cryptosteel schützen. Insbesondere Trezor One ist extrem langlebig. Wir haben es mit einem Auto überfahren, ins Wasser fallen lassen – das Wallet benutze ich trotzdem noch bis heute. Wenn du magst, kannst du auf Reddit echt verrückte Geschichten nachlesen. Menschen, die das Gerät immer noch benutzen, obwohl sie es versehentlich in der Waschmaschine gewaschen haben und so was.

Was sollte ich dann genau bei der Sicherheit meiner Krypto-Assets  besonders beachten? 

Es ist wichtig zu wissen, dass bei dem Thema Sicherheit jede Person einen unterschiedlichen Bedarf oder eine Vorstellung hat. So wurden Trezor-Geräte mit dem Hintergrund entwickelt, Benutzer*innen ein Tool zu geben, mit dem sie ihre Sicherheit eigenständig verwalten können. Dabei ist es egal, ob sie ihre Kryptowährungen nur sicher speichern, beziehungsweise organisieren oder einfach nur ihre privaten Daten online schützen möchten. Unsere Geräte verfügen über zusätzliche Sicherheitsfunktionen wie ein extra Verschlüsselungskennwort, Shamir Backup, und andere Features. Jede*r kann sich seine Sicherheit selbst anpassen und für verschiedene Funktion auch unterschiedliche Geräte verwenden.

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Seit Kryptowährungen deutlich mehr Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit bekommen, gibt es auch mehr innovative Unternehmen in der Industrie. Kann sich SatoshiLabs dabei überhaupt langfristig durchsetzen? 

Ehrlich gesagt sind wir der Konkurrenz voraus, weil wir die Standards schaffen und setzen. Andere aus der Branche setzen sie dann um. Alle existierenden Krypto-Wallets verwenden unseren eigens entwickelten BIP39-Standard für Recovery Seeds. Einige Unternehmen haben jetzt auch unseren neuesten  Sicherheitsstandard SLIP39 oder Shamir Backup auf ihren Roadmaps. Wir versuchen generell den Bedürfnissen unserer User*innen auf innovative und sichere Weise entgegenzukommen. 

Worauf sind sie bei der Entwicklung von SatoshiLabs besonders stolz?

Ich bin stolz auf das ganze Unternehmen. Wir sind von einem kleinen self-funding Projekt zu einem großen und selbstbewussten wichtigen Player auf dem Markt gewachsen.  Vor sechs Jahren war unser ursprünglicher Plan, hundert Geräte für unsere Freunde herzustellen. Und seitdem? Wir sind ein immens gewachsen und haben Hunderttausende davon verkauft. Definitiv ein nennenswerter Erfolg! 

Ich beobachte häufiger, dass schnell wachsende Unternehmen manchmal Schwierigkeiten haben dauerhaft ihrer Philosophie treu zu bleiben. Gestaltet sich Ihre Arbeit seit dem großen Erfolg etwas anders? 

Ich kann überzeugt sagen, dass wir unserer ursprünglichen Philosophie und Strategie seit Tag eins treu geblieben sind und bleiben werden. Dafür stehen für uns vier Aspekte im Vordergrund: Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit, Dezentralisierung und Datenschutz. Das ist ursprünglich der philosophische Aspekt hinter der Bitcoin-Idee, die wir auch vertreten. Außerdem sind wir Open source und ein unabhängiges Unternehmen. 

Des Öfteren wurde der Kryptowährungsmarkt von massiven Hackerangriffen, insbesondere auf Exchanges, überschattet. Wie bewerten Sie persönlich die Entwicklung der Branche im Rahmen dieser Ereignisse? Inwiefern engagiert sich SatoshiLabs dabei?

Indem wir Menschen darüber aufklären. Sie sich mit uns eigenständig und bequem schützen können. Denn Sicherheit fängt im Prinzip bei dir selbst an und all den Dingen, die du tagtäglich dafür tust, um deine Daten zu schützen. Und solange du nicht weißt, wie du deine Daten schützen kannst, riskierst du natürlich Hackerangriffe. Damit Hacker keine Chance bekommen, müssen die potenziellen Opfer sich zunächst gut vorbereiten.

Werden Hacker irgendwann gänzlich gestoppt werden können? 

Sicherlich nicht. Solange die Leute ihre Assets an unsichere Orten wie den Exchanges lassen. Oder auf Facebook darüber reden, wie viel Bitcoins sie besitzen. Damit werden Hacker nahezu eingeladen. Wenn du deine Kryptos offline in einer Trezor-Wallet speicherst und deine Gelder nicht irgendwo, wie beispielsweise einer Exchange, sammelst, motivierst du auch keine Hackerangriffe.

Mit Hochdruck arbeiten diverse Forscherteams an der Entwicklung des Superchips der Zukunft. Seine Rechenleistung würde Computer revolutionieren – und Kryptowährungen vorerst infrage stellen. Betrachten Sie Quantum Computing als eine weitere potenzielle Bedrohung für die Branche? 

Im Moment nicht. Die aktuellen Funktionen von Quantum-Computern sind nicht auf Kryptowährungen anwendbar und werden es zumindest auch in naher Zukunft nicht sein. Außerdem ist Bitcoin in der Lage seine Sicherheitsalgorithmen zu verbessern, falls dort der Bedarf bestehen sollte.

Wie wird sich die Zukunft der Sicherheit von Kryptowährungen entwickeln?

Ich hoffe – und daran arbeiten wir – alles zu 100 Prozent Open Source zu gestalten. Damit alles, einschließlich die Mikroprozessoren, vollständig überprüfbar werden. Wenn dezentrale Projekte wie Bitcoin auf Closed-Source-Hardware basieren, bleibt das mit vielen Risiken verbunden. Open-Source-Hardware wäre der nächste disruptive Schritt um die Branche mit einer Open-Source-Philosophie umzuwälzen. Wir arbeiten intensiv daran, diese noch ferne Zukunft realistisch zu machen. Also bleibt dran! 

Was sind SatoshiLabs Ziele für die nächsten zwei Jahre? 

Wir werden weiterhin von der Community lernen und darauf basierend Lösungen entwickeln. Das bleibt unsere Priorität. Wir wollen auch weiterhin agil bleiben, um uns schnell an den dynamischen Markt von Kryptowährungen anzupassen. Und es folgen auch neue Produkte und Verbesserungen über die ich natürlich noch nicht öffentlich sprechen kann.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Palatinus!

 

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Ich bin freie Journalistin, lebe in London und studiere im Erasmus Mundus Master International Journalism, Media and Globalisation. Brennend interessiere ich mich für Zukunftstechnologien, Digitalisierung und (digitale) Trends.

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