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Interview: „Wir haben unseren Umsatz inmitten einer Pandemie um 500 % gesteigert“

Cintia Ramos, 31 Jahre, ist Partnerin und Geschäftsführerin von Diaspora.Black, einem brasilianischen Start-up, das seinen Kunden mittels Tourismus die schwarze Kultur näherbringt. Im Gespräch mit Kryptoszene.de erklärt sie, wie das Unternehmen seinen Umsatz während der Corona-Krise um 500 % steigern konnte, welches Potenzial in Social Business steckt und warum es wichtig ist, ethnische Vielfalt zu bewahren.

Ein Interview von Lina López

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Hallo Cintia, was ist Diaspora.Black?

 Wir sind ein Social-Impact-Startup, das sich auf die Wertschätzung der schwarzen Kultur und die Förderung der Rassengleichheit konzentriert. Seit 2017 haben wir mehr als 4.000 Touristen betreut und eine Gemeinschaft von 20.000 Menschen in mehr als 15 Ländern mobilisiert, die daran interessiert sind, mit einem authentischen und transformativen Ziel zu reisen und mehr über die Schwarze Kultur zu erfahren.

Sie sind hauptsächlich im Tourismus aktiv, einer der großen leidtragenden Branchen der COVID-19-Krise. Was waren die größten Herausforderungen 2020?

Der Tourismus ist immer einer der am stärksten betroffenen Sektoren in solchen Situationen. 2020 gab es eigentlich keine Möglichkeit, die Menschen zum Reisen zu animieren! Viele Unternehmen, die sich nicht anpassen konnten, schlossen ihre Türen und mit Sicherheit hat das, was wir durchgemacht haben, die Branche verändert.

„Unser Unternehmen hatte niemals wirklich die Absicht sich in eine solche Richtung zu entwickeln“

Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?

Einen Tag vor der offiziellen Quarantäne haben wir noch heiß begehrte Touren unternommen. Von den Absagen und den weltweiten Änderungen wurden wir dann vollkommen überrascht. Wir mussten uns zusammensetzen, um zu verstehen, was wir alles tun können. Die erste Woche nach dem Lockdown nutzten wir buchstäblich, um das Haus zu organisieren, Technologiefehler zu beseitigen, Dienstleistungen zu verbessern und Ideen, die in den Schubladen lagen, in die Praxis umzusetzen. Damit haben wir sogar inmitten einer Pandemie unseren Umsatz und den Transaktionswert des Unternehmens um mehr als 500 % gesteigert.

Wie haben Sie das geschafft?

Wir haben angefangen, verschiedene Online Kurse und Touren zu erstellen. Vorher waren wir eine klassische Tourismus-Agentur, jetzt sind wir ein Online-Marktplatz mit monatlich wechselndem Portfolio. So haben wir mittlerweile virtuelle Touren in Sao Paulo oder Rio de Janeiro mit spezialisierten Führern, Bildern und Videos von Orten und Erklärungen. Wir sind sehr aktiv in den sozialen Netzwerken, aber bei all dem sind wir unserem Grundsatz treu geblieben, das „schwarze“ Thema direkt oder indirekt zu kommunizieren.

Auch bei uns wurden Touren und Ausflüge abgesagt, aber wir haben es geschafft unsere Mission aufrechtzuerhalten und einige der Dienste an das Internet anzupassen! Das führte auch zu einem großen Anstieg der B2B-Verkäufe, dank neuen Paketen mit Kursen und Schulungen für Unternehmen und ihre Mitarbeiter als Bildungs- und Unterhaltungsangebote.

Unser Unternehmen hatte niemals wirklich die Absicht sich in eine solche Richtung zu entwickeln, aber es war ein Projekt, das wir in der Schublade hatten und die Situation von COVID hat uns dazu gebracht es aus der Schublade zu holen und zum Leben zu erwecken.

„Zwischen der Veränderung der Welt und dem Geldverdienen, behalte beides!“

Lassen Sie uns das Thema wechseln und blicken auf den zweiten Pfeiler Ihres Start-ups. Was genau ist ein „Social Business“?

Ein Social Business (auf Deutsch: soziales Unternehmen d.Red.) möchte das Verhältnis von Zweck und Ursache mit dem Geschäftsmarkt vereinen! Es gibt einen Satz der Firma Artemisia, den ich mag und den ich oft wiederhole: „Zwischen der Veränderung der Welt und dem Geldverdienen, behalte beides“. Es ist wichtig, für soziale Belange zu kämpfen, aber auch sich selbst zu ernähren. Um die Welt zu verändern, muss man am Leben sein.

Sehen Sie in dem System Chancen für Investoren?

Ich glaube, dass jede Art von Unternehmen, das eine gute Planung und eine Vision des Wachstums hat, Potenzial für Investitionen bietet. Wir bei Diaspora.Black waren 2019 in der Lage, Investments von einem der traditionsreichsten brasilianischen Fonds zu erhalten, weil wir unser Geschäft gut strukturiert haben. Mehr und mehr verlangt der Konsument eine Positionierung und wählt den Ort des Konsums an Orten, die eine aktive Menschlichkeit und Präsenz in Produkten und/oder Dienstleistungen erkennen lassen.

Nun möchte sich Diaspora Black auf die Wertschätzung der schwarzen Kultur konzentrieren. Was bedeutet das und welche Auswirkungen hat dieser Fokus auf Ihre Dienstleistungen?

Unsere Mission ist es, mit mehr Menschen das afro-brasilianische Kulturerbe zu teilen, Namen und Geschichten wiederzugeben, die sich von dem unterscheiden, was wir in den meisten Nachrichten sehen. Wir haben es geschafft, mit unseren Diensten dem strukturellen Rassismus direkt entgegenzutreten, der im täglichen Leben der Schwarzen Menschen so präsent ist. Damit zeigen wir Schwarzen und Nicht-Schwarzen Menschen neue Geschichten und Visionen der Afro-Kultur und pflanzen Samen des Guten in jede einzelne Person, die so für das Leben lernt! Schwarze Menschen ermächtigen sich wieder ihrer Identität mit ihrer Macht und Nicht-Schwarze Menschen entwickeln eine neue Wahrnehmung der Schwarzen Bevölkerung.

Alles, was die Absicht hat, den Menschen das Leben mithilfe von Technologie und Vielfalt zu erleichtern, ist eine gute Wette“

Kann man sagen, dass die Black Lives Matter (#BLM)-Bewegung Chancen für Unternehmen eröffnet hat, die sich auf rassistische Inklusion konzentrieren?

Die BLM-Bewegung hat es eigentlich immer gegeben. Was sich geändert hat, ist die Art und Weise, wie ein Hashtag ein gesamtes soziales Netzwerk erreichen kann. Aber schwarze Menschen haben diesen Diskurs seit vielen Jahren mitgemacht! Die Bewegung hat weltweit ein Narrativ gestärkt, das für Schwarze Menschen eigentlich nichts Neues ist.

Blicken wir zum Abschluss doch noch in die Zukunft. Was erwarten Sie vom Tourismusgeschäft in diesem Jahr?

Vor jedem Plan muss der Impfstoff gegen Covid-19 stehen. Ohne diesen wird es kaum möglich sein, Pläne zu schmieden. Besonders im Bereich des echten Tourismus wäre dies unverantwortlich. Aber ich hoffe, dass diese Situation, in der wir leben, so schnell wie möglich ein Ende findet, damit die Menschen wieder neue Orte und Kulturen kennenlernen und ihre Träume verwirklichen können.

Wir selbst konzentrieren uns auf das Jetzt und haben die Technologie so verbessert, um mehr Anforderungen online zu erfüllen. Wir sehen, dass die Menschen beispielsweise aus São Paulo Zuflucht in der Natur suchen, was sich ebenfalls positiv auf Online Unternehmen auswirken kann. Ich sehe also, dass alles, was die Absicht hat, den Menschen das Leben mithilfe von Technologie und Vielfalt zu erleichtern, eine gute Wette ist.

Vielen Dank für das Gespräch

 

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Raphael Adrian

Nach meinem Journalismus Master 2013 war ich einige Jahre als Freelance Journalist und Autor aktiv. In dieser Zeit spezialisierte ich mich auf Finanzen, Business und Kryptowährungen. Seit November 2018 bin ich als Kryptoszene Chefredakteur tätig.

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