Die US-Regierung setzt Fed-Chef Jerome Powell mit strafrechtlichen Drohungen unter Druck. Was nach Washington-internem Machtkampf klingt, hat Sprengkraft für US-Dollar, Gold und auch Krypto.
- Powell bestätigt: Grand-Jury-Subpoenas der US-Justiz gegen die Fed – mit möglicher Anklagedrohung.
- Hintergrund ist Powells Senats-Aussage zur kostspieligen Fed-Gebäudesanierung – Powell spricht von „Vorwand“.
- Republikaner Thom Tillis will Fed-Nominierungen blockieren, bis der Fall geklärt ist.
- Am Markt: US-Dollar schwächer, Gold auf Rekordniveau
- Bitcoin bleibt am 13. Januar 2026 stabil im oberen Bereich
US-Präsident Donald Trump geht offen auf Konfrontationskurs mit Notenbankchef Jerome Powell – und bringt damit die Unabhängigkeit der Federal Reserve ins Wanken. Was zunächst nach einem inneramerikanischen Machtkampf klingt, entwickelt sich zu einem Szenario, das globale Kapitalmärkte und Anleger gleichermaßen verunsichert. Wenn die mächtigste Zentralbank der Welt plötzlich selbst zur Zielscheibe wird, steht weit mehr auf dem Spiel als nur die künftige Zinspolitik.
Gold eilt auf neue Rekordstände, der US-Dollar verliert an Kraft – und Bitcoin? Der Kryptomarkt reagiert zurückhaltend, fast stoisch, während sich die Finanzmärkte neu sortieren. Die Gemengelage ist komplex: politische Einflussnahme, geldpolitische Strategie und Marktpsychologie greifen ineinander.
Drohungen und Anschuldigungen gegen die Fed
Jerome H. Powell hat am Sonntagabend öffentlich gemacht, dass die Federal Reserve Grand-Jury-Subpoenas erhalten habe, verbunden mit der Drohung einer strafrechtlichen Anklage im Zusammenhang mit seiner Aussage vor dem Senate Banking Committee im Juni. Powell betont dabei ausdrücklich, niemand stehe über dem Gesetz, weist aber den politischen Kontext der Maßnahme zurück und spricht von fortgesetztem Druck der Regierung auf die Geldpolitik.
In seiner Stellungnahme nennt er die Begründung über Bau- und Renovierungsthemen einen „Vorwand“ und stellt den Zusammenhang zu den Zinsforderungen des Präsidenten heraus.
Der Auslöser, der offiziell im Raum steht, ist die Sanierung von Fed-Gebäuden in Washington, deren Kosten nach Medienberichten bei rund 2,5 Milliarden US-Dollar liegen. Eigentlich war das Projekt zuvor niedriger veranschlagt und wurde unter anderem mit baulichen Altlasten und technischen Anforderungen begründet.
Die Fed selbst verweist in der Debatte darauf, dass sie nicht über den Bundeshaushalt finanziert wird, was die politische Symbolik der „Steuergeld“-Erzählung zusätzlich auflädt. Donald Trump sagte gegenüber NBC News, er wisse nichts über die Schritte des Justizministeriums, griff Powell aber zugleich scharf an. Ein Sprecher des Justizministeriums wollte den konkreten Fall nicht kommentieren und verwies stattdessen auf den Auftrag, möglichen Missbrauch von Steuergeldern zu priorisieren.
Fed-Unabhängigkeit als Grundpfeiler
Dass ein Präsident die Notenbank politisch attackiert, ist nicht neu, aber die Eskalationsstufe ist es. Fed-Historiker Peter Conti-Brown gibt dazu seine Einschätzung, der Vorgang sei ein „Low Point“ in der Geschichte der US-Zentralbankpolitik. Ökonom Justin Wolfers ging auf X noch schärfer in die Formulierung und sprach von Methoden, die man eher aus Ländern kenne, in denen Institutionen vor Inflationsschüben politisch „gefügig“ gemacht werden.
Die Fed hat einen gesetzlichen Auftrag, der auf maximale Beschäftigung und stabile Kurse abzielt, und dieser Auftrag ist politisch bewusst gegen kurzfristige Interessen abgeschirmt. Über den Leitzins entscheidet nicht eine Einzelperson, sondern das FOMC als Gremium. Die Struktur des FOMC ist dabei klar definiert: sieben Mitglieder des Board of Governors, der Präsident der New York Fed und vier rotierende regionale Fed-Präsidenten bilden die stimmberechtigte Runde. Deshalb trifft der Angriff auf Powell nicht nur „Powell“, sondern die Glaubwürdigkeit des gesamten Regelwerks.
Republikaner Thom Tillis nennt die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Justizministeriums „in Frage gestellt“ und will Fed-Nominierungen blockieren, bis die Angelegenheit geklärt ist.
„It’s a thing that tin pot dictators do right before starting a hyperinflation and destroying their own economies.“ https://t.co/X5hzDyUYcD
— Justin Wolfers (@JustinWolfers) January 12, 2026
Marktreaktion: US-Dollar wackelt, Gold glänzt, Krypto bleibt erstaunlich ruhig
An den klassischen Märkten kam die Nachricht sofort an. Ergebnis: ein schwächeren US-Dollar und nachgebenden US-Aktien-Futures, während Gold auf ein Rekordhoch stieg. Wenn die institutionelle Stabilität der US-Geldpolitik angezweifelt wird, steigt die Nachfrage nach vermeintlich „unpolitischen“ Sicherheiten.
Im Kryptomarkt fällt die Reaktion deutlich weniger dramatisch aus, zumindest auf den ersten Blick. Der Gesamtmarkt kommt CoinGecko zufolge auf rund 3,223 Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung, bei einem 24h-Volumen von rund 113,5 Milliarden US-Dollar.
Bitcoin notiert am 13. Januar 2026 laut CoinGecko bei 92.391,12 US-Dollar und liegt damit leicht im Tagesvergleich im Plus. Ethereum steht am selben Tag bei 3.135,51 US-Dollar, ebenfalls minimal höher als noch 24 Stunden zuvor.
Dass Krypto hier nicht „explodiert“, ist ein Hinweis auf die Rolle, die Bitcoin trotz aller Reife noch immer spielt: Risk-on bleibt Risk-on, solange institutionelle Anleger in Stressmomenten zuerst Liquidität und dann Gold wählen.

Blick nach vorn: Januar-Meeting, Inflation, Machtwechsel im Mai
In den nächsten Tagen wird das Thema nicht verschwinden, weil gleich mehrere Termine die Nervenlage bestimmen.
Laut CME Watchtool liegt die Wahrscheinlichkeit bei 95 Prozent, dass die Fed auf ihrer Januar-Sitzung am Zinskorridor von 3,50 bis 3,75 Prozent festhält. Das würde jedenfalls auch zu den Inflationsdaten und der politischen Unsicherheit rund um die Powell-Ermittlungen passen.
Politisch entscheidend ist außerdem der Kalender: Powells Amtszeit als Fed-Chair endet im Mai 2026, und Trump kann den Nachfolger benennen. Wenn auch die Möglichkeit besteht, dass Powell als Board-Mitglied formal bis Ende Januar 2028 im Amt bleiben könnte, was die Personalhebel des Präsidenten begrenzt.
Für die Märkte ist das ein Giftcocktail: Selbst wenn der Leitzins kurzfristig stabil bleibt, wird die „Regel-Story“ hinter der US-Geldpolitik neu bewertet.
Kryptowährungen kaufen, ohne sich von Politik verrückt machen zu lassen
Wer in solchen Phasen über Einstieg oder Aufstockung nachdenkt, braucht weniger Nervenkitzel und mehr Handwerk. Die erste Frage sollte nicht lauten “Welche neuen Kryptowährungen haben Zukunft und Potential?”, sondern erstmal sollte eine solide Basis geschaffen werden: Welche Rolle soll Krypto im eigenen Risikoprofil spielen und vor allem auch welche Verluststrecke ist realistisch aushaltbar. Gerade Altcoins reagieren in Stressphasen oft stärker als Bitcoin, weil Liquidität in kleineren Märkten schneller versiegt und Spreads breiter werden.
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