Der sogenannte Clarity Act gilt als eines der wichtigsten Gesetzesvorhaben für den US-Kryptomarkt im Jahr 2026. Das Ziel ist es, endlich regulatorische Klarheit zu schaffen – insbesondere bei Stablecoins, Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC sowie der Frage, unter welchen Bedingungen Kryptofirmen Zinsen oder Rewards anbieten dürfen.
Für den Markt wäre das ein massiver Schritt hin zu institutioneller Rechtssicherheit. Zuletzt geriet der Gesetzesentwurf jedoch ins Stocken, da insbesondere die Stablecoin-Regeln zwischen Banken und Kryptounternehmen umstritten waren. Nun mehren sich allerdings die Signale, dass hinter verschlossenen Türen im Weißen Haus Fortschritte erzielt werden.
Treffen im Weißen Haus: Fortschritte bei Stablecoin-Regeln
In den vergangenen 16 Tagen kam es zu bereits drei hochrangigen Treffen zwischen Vertretern der Kryptobranche, Bankenverbänden und Beratern des Weißen Hauses. Laut Berichten nahmen unter anderem Vertreter von Coinbase, Ripple sowie Andreessen Horowitz teil.
Auf Bankenseite waren keine einzelnen Institute direkt vertreten, sondern Branchenverbände wie die American Bankers Association.
In today's meeting between banks and crypto, the White House presented a proposal that would allow exchanges to pay customers for their stablecoins as long as they base it on activities or transactions (not balances), I'm told. Expectation is banks start meeting tomorrow into the…
— Eleanor Mueller (@Eleanor_Mueller) February 19, 2026
Der zentrale Streitpunkt: Dürfen Kryptobörsen Stablecoin-Rewards zahlen – und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Ein Kernvorschlag des Weißen Hauses sieht nun vor, dass Rewards nur auf Transaktionsaktivitäten basieren dürfen, nicht jedoch auf bloßen Kontoguthaben. Das bedeutet: Zinsen auf „idle balances“ wären faktisch ausgeschlossen. Genau dieser Punkt war für die Kryptobranche lange ein strategisches Ziel, da er Stablecoins gegenüber Bankeinlagen attraktiver machen würde.
https://twitter.com/EleanorTerrett/status/2024644096569332040
Interessant ist dabei die Verschiebung der Argumentation. Während Banken ursprünglich vor möglichem „Deposit Flight“ warnten, also einer Abwanderung klassischer Bankeinlagen, berichten Insider inzwischen, dass es eher um Wettbewerbsdruck geht. Gleichzeitig wurde eine mögliche Anti-Evasion-Klausel diskutiert, die SEC, Treasury und CFTC umfangreiche Durchsetzungsbefugnisse einräumen würde – inklusive Strafzahlungen von bis zu 500.000 US-Dollar pro Verstoß und Tag.
Auch wenn offiziell kein endgültiger Kompromiss erzielt wurde, werden die Gespräche von Teilnehmern als „produktiv“ und „konstruktiv“ beschrieben. Bemerkenswert: Dieses Mal übernahm das Weiße Haus selbst die Führung und brachte konkrete Textentwürfe ein – ein Zeichen dafür, dass politischer Wille zur Lösung vorhanden ist. Bankverbände wollen ihre Mitglieder nun kurzfristig briefen, ein Abschluss bis Monatsende gilt als realistisch.
Polymarket-Daten zeigen steigenden Optimismus am Markt
Parallel zu den politischen Gesprächen reagiert auch der Markt zunehmend positiv. Auf der Prognoseplattform Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit aktuell bei rund 82 Prozent, dass der Clarity Act noch im laufenden Jahr 2026 von Präsident Donald Trump unterzeichnet wird. Damit ist die implizite Wahrscheinlichkeit zuletzt deutlich gestiegen – ein klares Signal, dass Marktteilnehmer Fortschritte inzwischen einpreisen.

Solche Daten sind besonders relevant, weil sie nicht auf politischen Statements, sondern auf echtem Kapitaleinsatz basieren. Händler, Investoren und Insider bewerten kontinuierlich die Wahrscheinlichkeit politischer Entwicklungen – und passen ihre Positionierung entsprechend an. Steigende Quoten deuten also auf wachsenden Optimismus hin, dass ein Kompromiss zwischen Banken und Kryptobranche tatsächlich möglich ist.
Für den Kryptomarkt hätte eine Verabschiedung des Clarity Act weitreichende Folgen. Stablecoins könnten unter klar definierten Rahmenbedingungen operieren, institutionelle Investoren erhielten mehr Rechtssicherheit, und die Abgrenzung zwischen Wertpapier- und Rohstoffaufsicht würde präziser geregelt. Gerade für große Akteure wie Coinbase oder Ripple wäre das ein struktureller Vorteil gegenüber Offshore-Anbietern.
Dass die Wahrscheinlichkeit einer Unterzeichnung nun bei über 80 Prozent liegt, zeigt: Der Markt glaubt zunehmend an eine politische Einigung. Sollte tatsächlich noch im ersten Halbjahr ein Durchbruch gelingen, könnte dies als regulatorischer Befreiungsschlag gewertet werden – mit entsprechendem Potenzial für neue Kapitalzuflüsse in den US-Kryptosektor.
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