Ein nachdenklicher Mann vor großen Bitcoin-Symbolen mit einem roten Abwärtstrend links und einem grünen Aufwärtstrend rechts im Hintergrund.

Der Krypto‑Markt wirkt mittlerweile für viele alles andere als bullisch. Der Bitcoin‑Kurs ist am heutigen am 18. November 2025 bereits 90.000 US-Dollar gefallen. Aktuell hält sich der Kurs bei etwa 91.500  US‑Dollar über Wasser. Damit befindet sich der Kurs bereits 27 ,5% unter seinem Hoch am 06. Oktober von etwa 126.000 US‑Dollar.

Gleichzeitig hat der Gesamtmarkt fordernde Wochen hinter sich und das ausgerechnet im so bullisch prophezeiten Q4. Diese Diskrepanz zieht nun die Frage nach sich: Haben wir nun endlich den Boden gesehen in einem intakten Bullrun – oder war es das jetzt und es steht uns jetzt schon ein klassischer Bärenmarkt bevor?

  • Bitcoin liegt rund 27,5 % unter seinem Allzeithoch von 126.080 US-Dollar und notiert aktuell um 92.500 US-Dollar.
  • Technische Modelle wie GSADF-Tests und Power-Law-Charts deuten bislang eher auf einen intakten Langfristtrend als auf eine geplatzte Blase hin.
  • Das Analysehaus HKCM sieht dagegen charttechnisch ein Top und warnt vor einer möglichen Korrektur bis in den Bereich um 65.000 US-Dollar.
  • Warum trotz der Korrektur noch kein formeller Bärenmarkt ausgerufen ist? Der Markt bleibt tief gespalten.

Bärenstimmung am Markt

Der Mythos vom ewigen Bullenmarkt hat in den vergangenen Wochen einen Dämpfer bekommen. Der Stimmungsumschwung begann, als Bitcoin Anfang November zum ersten Mal seit Monaten unter die psychologisch aufgeladene Marke von 100.000 US-Dollar rutschte. Seitdem ging es weiter bergab. Bitcoin hat sein Allzeithoch von 126.080 US-Dollar vom 6. Oktober 2025 deutlich hinter sich gelassen und notiert aktuell bei rund 92.500 US-Dollar – ein Rückgang von 27,5 % in gut sechs Wochen. Der Fear-and-Greed-Index steht laut Coinmarketcap auf “Extremer Angst”. Auf dem Papier ist das zwar eine scharfe Korrektur, aber im Vergleich zu früheren Zyklen dennoch weit entfernt von den Abstürzen der Jahre 2014, 2018 oder 2022, als Bitcoin jeweils mehr als 70 % von den Höchstständen verlor.

Frühere Zyklen kannten nach solchen Rücksetzern meist nur zwei Erzählungen: Entweder ein klassischer „Mid-Cycle-Dump“ auf dem Weg zu neuen Höhen – oder der Beginn eines ausgewachsenen Bärenmarktes mitsamt 70- bis 80-prozentigen Drawdowns. Aber diesmal ist die Lage etwas komplexer: Strukturelle ETF-Nachfrage, ein deutlich reiferer Markt und ein makroökonomisches Umfeld, in dem Gold erste Bubble-Signale zeigt.

Während ein Teil der Analysten die aktuelle Bewegung als überfällige Abkühlung in einem intakten Superzyklus liest, warnt die Gegenseite bereits vor dem neuen „Krypto-Winter“. Wie fragil das Sentiment derzeit ist, zeigt auch eine aktuelle Marktanalyse von Kryptoszene zum jüngsten Rücksetzer, der bereits als möglicher Bärenmarkt gewertet wird. „Krypto-Crash schockt Anleger: Größte Chance in 2025?“

HKCM ruft den Bärenmarkt aus

Auf Social Media werden die bärischen Stimmen immer lauter. So auch tönt es bärisch aus dem Analysehaus HKCM und Philipp Hopf. Der Youtube-Kanal gehört mit aktuell rund 800.000 Abonnenten zu den reichweitestärksten deutschsprachigen Finanz-Formaten. In seinen jüngsten Updates erklärt Hopf nun, die „rote Linie im Sand“ bei 98.385 US-Dollar sei nun per Wochenschluss klar nach unten gebrochen – ein Signal, das er im Vorfeld explizit als Bärenmarkt-Bestätigung definiert hatte.

Bitcoin hat zum ersten Mal seit dem Bärenmarkt 2022 eine Wochenkerze unter dem 50-Tage-Durchschnitt geschlossen, was in früheren Zyklen oft den Übergang in längere Abwärtsphasen markiert habe. Laut HKCM bricht das Momentum weg. Aus Sicht der hauseigenen Elliott-Wellen-Zählung läuft Bitcoin bereits in einer größeren Korrekturwelle. Die primäre Zielzone für eine erste Abwärtswelle verortet HKCM grob im Bereich zwischen 51.000 und 62.000 US-Dollar. In Kombination mit dem ansteigenden 200-Wochen-EMA ergibt sich eine „Magnetzone“ um etwa 65.000 US-Dollar.

Das deckt sich mit anderen Analysen: Auf Monatsbasis zeigt der MACD ein bearishes Cross; gleichzeitig bildet der RSI seit dem Frühjahr 2024 fallende Hochs, während der Preis noch neue Allzeithochs ausgebildet hat. Diese Divergenzen werten viele bereits als Hinweis, dass der Trend oben ausläuft – ähnlich wie vor den Tops 2017 und 2021. Besonders kritisch sei ein möglicher nachhaltiger Rutsch der Wochenkerzen unter den 50-Wochen-EMA. In früheren Zyklen markierte dieser Bruch den Übergang vom Bullenmarkt in den sogenannten Krypto-Winter; danach orientierte sich der Kurs langfristig eher am 200-Wochen-EMA als tiefe Leitplanke.

Ein letztes Aufbäumen vor dem Kryptowinter?

Als bullischeres Alternativszenario skizziert HKCM eine Zwischenkonsolidierung in der Zone 70.000 bis 83.000 US-Dollar, gefolgt von einer letzten Gegenbewegung, die Bitcoin noch einmal in Richtung der bisherigen Hochs um 120.000 US-Dollar treiben könnte. Anschließend wäre allerdings auch in diesem Szenario ein tiefer Abverkauf in den genannten Bereichen – also ein klassischer Bärenmarkt mit deutlich zweistelligen Rückgängen. HKCM sieht die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass der Zyklus bereits sein Top gesehen hat und der Markt strukturell in die Abwärtsphase übergeht.

Bitcoin-Rainbow-Chart: Blase oder gesunder Trend?

Statt den Bitcoin-Kurs in Dollar-Schritten zu betrachten, lohnt ein Blick auf einen logarithmischen Chart wie den Bitcoin Rainbow Chart: Dort wird nicht jeder zusätzliche 1.000-Dollar-Schritt gleich gewichtet, sondern jede prozentuale Veränderung. In dieser Darstellung sieht ein „gesunder“ Aufwärtstrend fast wie eine leicht ansteigende Gerade aus: Der Preis legt zwar stark zu, aber die Wachstumsrate bleibt in etwa konstant. Aus logarithmischer Sicht gilt: „Gerade Linie = gesunder Trend“.

Sobald die Kurve im Log-Chart stark konvex nach oben zieht, liegt ein explosiver Preisanstieg vor. Solche Blow-off-Topsmarkierten in der Vergangenheit oft das Ende eines Zyklus. Den relativ gleichmäßigen Anstieg zum scharf nach oben gebogenen Ausschlag sieht man rund um die Spitzen 2013 und 2017 sehr deutlich.

Der sogenannte GSADF-Test ist ein Verfahren aus der Zeitreihenanalyse, das in der akademischen Finanzmarktforschung genutzt wird, um explosive Preisphasen und Blasen zu identifizieren. Gold zeigt beispielsweise derzeit Kursverläufe, die in der Forschung und im Markt zunehmend als mögliche Blase diskutiert werden. Mehrere Studien haben dieses Verfahren bereits auch auf Bitcoin angewandt und dabei wiederholt Blasenepisoden in den Boomphasen 2013,2017 und 2020/21 festgestellt. Diese Blow-off-Bewegungen waren in vergangenen Bitcoin-Zyklen die Vorläufer der großen Bärenmärkte.

Überträgt man diesen Blick auf den aktuellen Zyklus seit Anfang 2023, zeigt sich in vielen Log-Charts ein anderer Charakter: Der Kursverlauf folgt bislang weitgehend dem langfristigen Aufwärtstrend und pendelt im unteren Mittelbereich, statt sich über Monate deutlich davon nach oben zu lösen.

Kurzfristige Ausschläge– zum Beispiel die steilen Anstiege im Herbst 2024 oder Anfang 2025 – wurden jeweils relativ zügig wieder abgebaut. Anders als in den klassischen Blow-off-Phasen 2013, 2017 oder 2021 ist bislang kein extrem steiler Ausschlag zu sehen, der weit über dem langfristigen Wachstumskorridor hängt. Das ist kein Beweis gegen einen neuen Bärenmarkt, aber ohne vorherige, deutlich überzogene Blasenphase spricht der Chart zumindest weniger stark für einen typischen 70–80-Prozent-Kryptowinter als in früheren Zyklen – vorausgesetzt, die bisherigen Muster bleiben halbwegs intakt, was natürlich niemand garantieren kann.

Bitcoin Power-Law-Modell

Unterfüttert wird diese Sicht mit dem Verweis auf das sogenannte Bitcoin-Power-Law-Modell. Solche Modelle legen einen langfristigen Regressionskanal über die BTC-Historie im Log-Log-Diagramm und markieren dort statistische „Übertreibungszonen“ nach oben und unten. Die historischen Bärenmärkte fielen dabei regelmäßig mit einem Rücklauf aus der oberen Übertreibungszone zurück in den Kanal zusammen. Eine derart überhitzte Phase lässt sich im aktuellen Zyklus – Stand heute – nur begrenzt erkennen.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Privatanleger ist weniger entscheidend, welches Lager „recht“ behält, sondern wie robust die eigene Strategie gegenüber beiden Szenarien ist.

Wer sich eher der logarithmischen Sicht anschließt und von einem weiterlaufenden Superzyklus ausgeht, wird Korrekturen in Richtung 70.000 oder 60.000 US-Dollar eher als Einstiegschancen sehen – wohl wissend, dass der Markt historisch durchaus auch tiefer fallen kann. Lies hier unsere vertiefende Bitcoin-Prognose 2025.

Wer von einem bereits laufenden Bärenmarkt überzeugt ist, dürfte aggressivere Risiko-Reduktion bevorzugen, Liquidität für tiefere Levels aufbauen und sich mental auf eine längere Seitwärts- bis Abwärtsphase einstellen.

Wer noch gar nicht investiert ist und sich unabhängig von der Zyklus-Debatte erstmals mit Bitcoin beschäftigen will, findet in Einsteiger-Guides – etwa zu den praktischen Fragen „Wie und wo Bitcoin kaufen?“ – einen sinnvollen Startpunkt. Neue Kryptowährungen mit Zukunft und Potential kannst du in diesem Guide finden.

Ob der aktuelle Rücksetzer am Ende als scharfe Zwischenkorrektur in einem weiterwachsenden Superzyklus in die Geschichte eingeht – oder als Beginn eines neuen Krypto-Winters: Die Entscheidung fällt wahrscheinlich nicht innerhalb einer Woche. Weder GSADF-Modelle noch Elliott-Wellen können mit Sicherheit „den“ Weg vorgeben. Alles andere ist, wie immer im Kryptomarkt, eine Wette auf die Zukunft.

Kryptowährungen sind ein sehr volatiles, unreguliertes Investmentprodukt. Ihr Kapital ist im Risiko.

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Pia pro-investor-shield

Pia ist fasziniert von Web3 und Künstlicher Intelligenz. Mit ihrem geisteswissenschaftlichen Hintergrund liebt sie es, gesellschaftliche Trends aufzuspüren und den Zeitgeist zu hinterfragen. Früher war sie im Think Tank und Forschungszentrum der Frankfurt School of Finance tätig und hat dort als Bitcoin- und NFT-Talent am Frankfurt Blockchain Center mitgewirkt. Wenn sie nicht gerade schreibt oder über neue Technologien nachdenkt, ist sie gerne am Atlantik – am liebsten auf ihrem Surfbrett.

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