Der bizarre Fall um die Krypto-Börse QuadrigaCX: Behörden leiten Ermittlungen ein

Das plötzliche Ableben des Gründers der kandadischen Krypto-Börse QuadrigaCX im Dezember vergangenen Jahres sorgte vergangene Woche weltweit für Schlagzeilen. Denn Gerald Cotten hatte die Kryptowährungen seiner Kunden in einer sogenannten Cold Wallet offline auf einem passwortgeschützten Laptop gesichert. Jetzt ist der Gründer tot. Laut der Firma habe Cotten aber als einziger das Passwort gekannt. Auch Kryptoszene.de berichtete über den Fall.

Laut einer Meldung von Reuters vom 8. Februar habe die Aktienaufsichtsbehörde der kanadischen Provinz Ontario (OSC) nun eine Untersuchung zu dem Fall eingeleitet. Sie begründete den Schritt gegenüber Reuters mit “dem potenziellen Schaden, den Anleger aus Ontario im Rahmen des Falles genommen haben”. Ob es sich um eine offizielle Ermittlung handle, wollte OSC-Sprecherin Kristen Rose der Nachrichtenagentur gegenüber nicht bestätigen.

Der Fall Quadriga lenkt die Aufmerksamkeit in Kanada auf ein bestehendes Rechtsvakuum

Die kanadische Behörde erkennt QuadrigaCX nicht als Börse an, weil der Handel mit Kryptowährungen in Kanada nicht mit dem Wertpapierhandel gleichgestellt ist. Darum war zuletzt die Frage aufgekommen, ob die Behörden für den Fall überhaupt zuständig seien.

Allan Goodman von der kanadischen Rechtsanwaltskanzlei Goodmans LLP hatte laut Reuters zuletzt öffentlich für einen Einsatz der Kontrollbehörde argumentiert. So soll Goodman vorgeschlagen haben zu prüfen, ob QuadrigaCX gegen kanadische Wertpapiergesetze verstoßen hat. “Hätte das Unternehmen (Quadriga) als Börse geführt werden müssen, und verstieß der Handel mit Kryptowährungen gegen bestehendes Recht?”, zitiert Reuters den Rechtsexperten.

Gegebenenfalls, sagte Goodman, könnte die OSC mittels Vollstreckungsmaßnahmen gegen die Firma oder ihre Vorstände vorgehen: “Wenn sie damit Erfolg hätte, würde es sich anbieten, die geschädigten Anleger mithilfe von Bußgeldern zu entschädigen.”

Bizarrer Fall mit rund 115.000 geschädigten Kunden

Laut Cottens Witwe Jennifer Robertson sei Cotten bereits Anfang Dezember in Folge von Komplikationen seiner Morbus-Crohn-Erkrankung während einer Indienreise verstorben. Die Kunden von QuadrigaCX wurden darüber aber erst Mitte Januar in Kenntnis gesetzt. Bis dahin nahm die Börse Einzahlungen weiter entgegen.

Angeblich soll sich das Cold Wallet auf einem verschlüsselten Laptop befinden, dessen Passwort Robertson nicht finden kann. Auf der Krypto-Börse QuadrigaCX lagern noch ungefähr 26.500 Bitcoin, 11.000 Bitcoin Cash, 11.000 Bitcoin SV, 35.000 Bitcoin Gold, rund 200.000 Litecoin sowie ungefähr 430.000 Ether. Rund 115.000 Kunden haben derzeit keinen Zugriff auf ihre Anlagen an der Exchange. Die Community spekuliert, Cotten könnte noch immer am Leben sein und versuchen, sich mit den Geldern eine neue Existenz aufzubauen. Eine Sterbeurkunde legte Cottens Witwe inzwischen vor.

Wohl erspart geblieben wäre der Ärger den Kunden mit einem Investment in sogenannte CFD-Derivate, bei denen der Anleger nicht in die Währung selbst investiert. Die Redaktion von Kryptoszene.de empfiehlt dafür ihren Testsieger eToro.

David Standt

David fasziniert die Schattenseite von Kryptowährungen: Für den News-Bereich von Kryptoszene.de schreibt er vor allem über Börsenhacks, Bitcoin-Scams und die Regulierung des neuen Finanzmarkts. Viele Reviews, Guides sowie Ratgebertexte zu Kryptowährungen stammten aus seiner Feder. Der kritische Enthusiast kaufte erstmals im Frühjahr 2017 Kryptowährungen und investierte in ICOs. Den großen Hype und den darauf folgenden Bärenmarkt erlebte er hautnah mit. Er lebt und schreibt in Berlin.

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