Neue Studie: Cyberkriminelle setzen vor allem auf Bitcoin

Um an Vermögen zu gelangen, sind manche Menschen bereit, anderen an die Gurgel zu gehen – oder zumindest ans Portmonnaie. Weit mehr Beute als der klassische Bankraub verspricht mittlerweile ein gezielter Hack. Am besten an einem Knotenpunkt, an dem vieles an Geldern vorbei läuft.

Um das zu verdeutlichen: Als bislang größter Bankraub in der Geschichte gilt der im brasilianischen Fortaleza am 8. August 2005. Die Täter erbeuteten umgerechnet 56 Millionen Euro.

Im größten “Bankraub” der Bitcoin-Geschichte hingegen erbeuteten Hacker Bitcoin im Wert von damals 460 Millionen Euro. Heute wären die damals geklauten Bitcoin sogar mehr als 3,5 Milliarden Euro wert. 

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Der Hack der japanischen Börse Mt. Gox: Bitcoin im Wert von heute rund 3,5 Milliarden Euro

Kryptowährungen sind als Ziel attraktiv. Auch das FBI hat das natürlich längst erkannt. Die US-Bundespolizei hat vor kurzem erklärt, sie werde sich künftig vorrangig der Verfolgung online begangener Straftaten widmen. Das schließe Fälle mit Kryptowährungen ausdrücklich mit ein.

Jetzt gibt es über diese Fälle eine neue Erkenntnis. Die Blockchain-Analysefirma Chainalysis hat eine neue Studie vorgelegt. Ihr Ergebnis: Fast jedes Krypto-Verbrechen weltweit steht mit Bitcoin in Zusammenhang.

Das trifft auf 95 Prozent aller untersuchten Fälle so zu. Verglichen mit Bitcoins Anteil am Gesamtvolumen des Kryptowährungenmarkts steht diese Zahl in einem überproportionalen Verhältnis. Denn der liegt bei rund 55 Prozent.

“Bitcoin ist der Liebling von Hackern und Kriminellen”

Doch gerade seine enorme Verbreitung macht den Bitcoin so besonders gut handelbar, wodurch er öfter als andere Kryptowährungen überwiesen wird. Und immer dann, wenn das digitale Geld sich bewegt, ist es besonders verwundbar. Darum verwundert das Studienergebnis Experten kaum.

Das US-Unternehmen Chainalysis berät Banken, Bitcoin-Börsen und Behörden. Laut Jonathan Levin, einem der Gründer der Analysefirma, ist Bitcoin “mit großem Abstand der Liebling” von Hackern und Kriminellen.

Im Interview mit Fortune.com sagte Levin, dass zwei gut organisierte Hackerbanden 2018 alleine für mindestens 60 Prozent aller dieser Verbrechen verantwortlich sei.

Es klingt nicht nur nach Marketingsprech, wenn Levin hinzufügt, dass es auch gute Neuigkeiten gebe: So sei die Blockchain-Analyse ein geeignetes Tool, um den Krypto-Verbrechen entgegen zu treten.

Ihre Transparenz ist ein Kernelement der neuen Kryptowährungen. Mit den für die meisten von ihnen öffentlich zur Verfügung stehenden Transaktionsdaten könnten die Ermittler eine direkte Spur zu den Tätern legen, sagte Levin.

Können die Krypto-Verbrecher gefasst werden?

Krypto-Kriminelle könne man so sogar leichter enttarnen als Verbrecher im traditionellen Finanzsektor, behauptet Levin. Denn aufgrund von Bitcoins Architektur seien die Ermittler nicht von den Informationen von Banken und Börsen abhängig.

Chainalysis kooperiert mit Ermittlungsbehörden und Unternehmen, um zum Beispiel Geldwäsche zu bekämpfen. Die Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten gehört bereits zu den größten Kunden der Firma. Levin zufolge haben die Analysen dabei geholfen, bereits viele der Täter hinter Gitter zu bringen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters betonte Levin in einem weiteren Interview, wie wichtig es sei, dass sich die Behörden weltweit jetzt zu einem klar regulierten Umgang mit den neuen Wirtschaftstechnologien entscheiden. “Globale Regulierungen sind unumgänglich, wenn diese wahrhaft grenzenlosen Finanzsysteme den Mainstream erobern”, erklärte er.

Die Studie erschien am 24. April.

Bildquelle: Photo von Visual Content

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David Standt

David fasziniert die Schattenseite von Kryptowährungen: Für den News-Bereich von Kryptoszene.de schreibt er vor allem über Börsenhacks, Bitcoin-Scams und die Regulierung des neuen Finanzmarkts. Viele Reviews, Guides sowie Ratgebertexte zu Kryptowährungen stammten aus seiner Feder. Der kritische Enthusiast kaufte erstmals im Frühjahr 2017 Kryptowährungen und investierte in ICOs. Den großen Hype und den darauf folgenden Bärenmarkt erlebte er hautnah mit. Er lebt und schreibt in Berlin.

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