Krypto Crash

Der Skandal rund um die Kryptobörse FTX und seinen ehemaligen CEO Sam Bankman-Fried hat nach Einschätzung von Analysten die vielleicht größte Krise ausgelöst, in dem sich der Kryptomarkt in seiner nun 13-jährigen Geschichte je befand. Die nachhaltigen Folgen könnten dabei sogar das Fiasko rund um die Kryptobörse Mt.Gox im Jahr 2014 übersteigen.

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Mt. Gox Skandal: Andere Marktsituation als bei FTX

Zur Erinnerung: Damals hatte Mt. Gox zunächst Auszahlungen auf seiner Plattform gestoppt. Kurze Zeit später war die Börse gar nicht mehr für Nutzer erreichbar. Es folgte ein Antrag auf Gläubigerschutz . Den Kunden soll ein Gesamtschaden von rund 650.000 Bitcoins entstanden sein. Erst jetzt, acht Jahre später, sollen die geprellten Kunden ihre Bitcoins nach und nach zurückerhalten.

Die Parallelen zum FTX-Fall sind nicht zu übersehen. Allerdings befindet sich der Kryptomarkt heute in einem ganz anderen Marktumfeld. Damals war der Markt noch beherrscht von Spekulanten und die digitale Währung wurde auch deutlich mehr als heute mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht.

Im vergangenen Jahr hatten viele die Hoffnung, dass sich der Kryptomarkt auf dem besten Weg befindet, nun von Investoren endlich zu einer gleichwertigen Anlageklasse wie zum Beispiel der Kauf von Aktien betrachtet zu werden.  Dazu bei trug der Einstieg von institutionellen Anlegern wie Tesla oder MicroStrategy.

Kryptomarkt in 2021 noch auf gutem Weg

Zudem gab es Meldungen, dass zum Beispiel internationale Großbanken ihren Kunden einen einfachen Zugang zu Kryptowährungen anbieten wollen und die Krypto-Investments für sie verwalten. Darüber hinaus bestand sogar die Hoffnung, dass in den USA ein Bitcoin Spot ETF zugelassen werden könnte, was den Kauf von Bitcoin endgültig auf eine Stufe mit dem Kauf von Aktien gestellt hätte.

Doch aktuell ist davon wenig geblieben. Tesla hat einen großen Teil seiner Bitcoins abgestoßen und die Kurse sind abgestürzt. Dann kam der Skandal rund um das Projekt Terra (Luna), einer der damals größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung. Schon diese Vorfälle haben viel Vertrauen von Anlegern zerstört. Sogar der eigene Stablecoin von Terra namens UST brach im Zuge des Skandals zusammen und ließ viele Anleger auf großen Schäden sitzen.

FTX: Das Kartenhaus ist zusammengefallen

Die Vorfälle rund um FTX stellen das alles jedoch noch in den Schatten. Denn es handelt sich nicht nur einfach um ein weiteres gescheitertes Kryptoprojekt. FTX war nach Binance die zweitgrößte Kryptobörse der Welt. Und sie galt als eines der Vorzeigeprojekte am Markt, dass eng mit den Regulierungsbehörden zusammenarbeitet und Krypto mehr denn je salonfähig in der alten Finanzwelt machen wollte.

Dazu trug auch der schillernde Boss Sam Bankman-Fried bei. Er zierte die Titelseiten von großen Magazinen und wurde mit Persönlichkeiten wie Steve Jobs oder Bill Gates verglichen. Bankman-Fried pflegte auch enge Beziehungen in die amerikanische Politik und trat als großzügiger Spender zur Parteien- und Wahlkampffinanzierung auf. Kurzum war er ein Aushängeschild für die ganze Branche, der viele Türen öffnen wollte um Bitcoin und C0. in den Mainstream zu führen.

Doch das Kartenhaus ist jetzt zusammen gefallen und der Schaden enorm. Der Vorzeigeunternehmer der Branche entpuppt sich nach bisherigem Kenntnisstand als Krimineller, der sich offenbar versucht vor den Behörden zu verstecken und wohl auch Spuren seines Handels verwischen will. So wurde zum Beispiel entdeckt, dass Bankman-Fried im Nachhinein seine Tweets rund um die Vorgänge bei FTX verändert hat, um möglicherweise etwas vor den Strafverfolgungsbehörden zu löschen.

Der FTX-Skandal ist deshalb deutlich schwerwiegender einzuschätzen als Mt.Gox, da das in sich zusammengefallen ist, wofür der Kryptomarkt der Zukunft eigentlich stehen sollte. Seriosität, Vertrauen und Verantwortung gegenüber Nutzern.

Solana-Crash erster Teil der Kettenreaktion

Und die weiteren Folgen des Untergangs der Kryptobörse für den gesamten Markt sind derzeit noch nicht in vollem Umfang absehbar. Die abgestürzten Kurse sind dabei nur die sichtbarste Konsequenz für den Markt. Aber der FTX-Skandal kann auch eine Kettenreaktion auslösen, die möglicherweise noch schwerere Schäden für die Branche hinterlässt.

Ein erstes Beispiel ist Solana. War das Projekt noch im vergangenen Jahr der neue Stern am Kryptohimmel, ist der SOL/USD Kurs nun massiv gefallen. Hintergrund ist hier die Verflechtung mit FTX. Denn das Unternehmen hat über die Trading-Firma Alameda Research seine Liquidität auch durch SOL Token abgesichert. Durch den Crash von FTX wurde Solana viel Kapital entzogen und der Preis ist gecrasht, obwohl Solana nach aktuellem Stand nicht aktiv an den Machenschaften von FTX beteiligt war.

Genesis: Kreditauszahlungen gestoppt

Ein weiteres Beispiel ist nun die Kryptobörse Genesis. So wurden nun Auszahlungen und neue Kreditvergaben gestoppt. Dies passierte als Folge der Panik im Markt, bei der viele Marktteilnehmer schnell ihre digitalen Vermögenswerte loswerden wollen und den Börsen damit Liquidität entzogen haben. Von der Seite des Unternehmens heißt es dazu. „Wir haben die schwierige Entscheidung getroffen, Tilgungen und Neukreditvergaben im Kreditgeschäft vorübergehend auszusetzen. Wir arbeiten intensiv daran, die notwendige Liquidität zu sichern, um unsere Kreditkundenverpflichtungen zu erfüllen.“ Manche Marktbeobachter gehen jedoch bereits davon aus, dass dies nicht passieren wird und Genesis kurz vor der Insolvenz stehen könnte.

Auch die Krypto-Kreditfirma BlockFi hat seinen Kunden mitgeteilt, Auszahlungen zu stoppen. Das Unternehmen, das einst eine Bewertung von 3 Milliarden US-Dollar aufwies, versuchte noch kurz zuvor seine Kunden zu beschwichtigen, dass alles in Ordnung sei. So teilte BlockFi noch vor dem Auszahlungstopp mit, dass man voll funktionsfähig bleibe und alle Krypto-Transaktionen, einschließlich Auszahlungen, wie gewohnt fortsetzen werden. Das erinnert an die Kommunikationsstrategie von FTX, die auch versuchten, lange die Schwierigkeiten zu bestreiten.

Gerüchte um Crypto.com und Gemini

Zudem kursierten zuletzt Gerüchte um Probleme bei den Kryptobörsen crypto.com und Gemini. Auch wenn diese nicht bestätigt wurden, verschärften sie die Unsicherheit im Markt. Immerhin hat Gemini nun via Twitter vorerst Entwarnung gegeben, dass Transaktionen wieder funktionieren und alle Kundeneinlagen gesichert seien.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Kettenreaktion sich im Kryptomarkt nicht noch weiter ausbreitet und bald wieder Ruhe in den Markt einkehrt. Dann besteht auch eine gute Chance, dass die Kurse von Bitcoin und Co. bald wieder deutlich steigen.

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Steffen Bösweich

Steffen hat Medien, Politik und Kulturwissenschaft studiert und nebenher bereits erste Erfahrungen im Print-, Radio- und Hörfunkjournalismus gesammelt. Nach seinem Studienabschluss hat er seine Journalistenausbildung in einem Verlag für Wirtschaft & Sport absolviert. Dem Wirtschaftsjournalismus ist er auch bei seinen weiteren Tätigkeiten als Redakteur stets treu geblieben und verfügt inzwischen über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung. Er interessiert sich für Finanzthemen aller Art, Aktien und Kryptowährungen sind sein Steckenpferd.

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