Seit der Entstehung von Bitcoin im Jahr 2009 begleitet die Kryptowährung eine kontroverse Debatte. Kritiker haben immer wieder argumentiert, dass der starke Kursanstieg und die spekulative Nachfrage auf ein fragiles Fundament hindeuten könnten. Besonders häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff des sogenannten Ponzi-Schemas – also eines Betrugssystems, bei dem Gewinne früher Investoren durch das Geld neuer Anleger finanziert werden.
Trotz dieser Kritik hat sich Bitcoin in den vergangenen Jahren jedoch zunehmend etabliert. Institutionelle Investoren, börsengehandelte Spot-ETFs und eine wachsende globale Nutzung zeigen, dass die Adoption des digitalen Assets weiter voranschreitet. Dennoch flammt die Diskussion regelmäßig neu auf – zuletzt durch eine Aussage eines prominenten politischen Akteurs. Doch was zeigt die Bitcoin Prognose?
Boris Johnson bezeichnet Bitcoin als mögliches Ponzi-Schema
Der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson hat zuletzt erneut Kritik an Bitcoin geäußert und damit eine alte Diskussion neu entfacht. In einem Beitrag auf der Plattform X erklärte Johnson, dass er bereits seit längerer Zeit den Verdacht habe, Bitcoin könne ein gigantisches Ponzi-Schema sein. Wörtlich schrieb er, er habe „schon lange vermutet, dass Bitcoin ein riesiges Ponzi-Schema ist“ und höre nun zunehmend Geschichten, die seine Befürchtungen bestätigen könnten.
I've long suspected Bitcoin is a giant Ponzi scheme and now I'm hearing tales of woe that make me fear I'm right.https://t.co/rTny2NBaYB
— Boris Johnson (@BorisJohnson) March 13, 2026
Johnson ist eine der bekanntesten politischen Persönlichkeiten Großbritanniens und war zwischen 2019 und 2022 Premierminister des Vereinigten Königreichs. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt äußert er sich regelmäßig zu wirtschaftlichen und geopolitischen Themen. Seine jüngste Aussage zu Bitcoin greift eine Kritik auf, die insbesondere in den frühen Jahren der Kryptowährung häufig zu hören war.
Der Hintergrund solcher Aussagen liegt oft in der starken Volatilität des Kryptomarktes. Kritiker argumentieren, dass steigende Kurse häufig durch neue Käufer getrieben werden und weniger durch fundamentale wirtschaftliche Nutzung. In diesem Narrativ wird Bitcoin teilweise als spekulatives System dargestellt, das stark vom Zufluss neuer Investoren abhängt. Johnson reiht sich mit seiner Aussage in eine Reihe von Politikern und traditionellen Finanzkritikern ein, die Bitcoin skeptisch betrachten.
Was ist ein Ponzi-Schema?
Der Begriff Ponzi-Schema bezeichnet eine Form des Anlagebetrugs. Dabei verspricht ein zentraler Betreiber Investoren außergewöhnlich hohe Renditen bei geringem Risiko. In Wirklichkeit werden diese Gewinne jedoch nicht durch reale wirtschaftliche Aktivitäten erzielt. Stattdessen werden Auszahlungen an frühere Anleger mit dem Geld neuer Investoren finanziert.
Das System funktioniert nur so lange, wie ständig neue Investoren hinzukommen. Sobald der Zufluss neuer Gelder abnimmt oder viele Anleger gleichzeitig ihr Geld zurückfordern, bricht das gesamte System zusammen. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Fall von Bernie Madoff. Der ehemalige Investmentmanager betrieb über Jahrzehnte eines der größten Ponzi-Systeme der Finanzgeschichte. Anlegern wurden stabile Renditen versprochen, doch tatsächlich existierten die angeblichen Gewinne nicht.
Charakteristisch für ein Ponzi-Schema sind mehrere Merkmale: ein zentraler Betreiber, der das System kontrolliert, unrealistische Renditeversprechen sowie mangelnde Transparenz über die tatsächliche Verwendung der Gelder. Anleger vertrauen dem Betreiber und investieren Kapital, ohne genau nachvollziehen zu können, wie die versprochenen Gewinne erwirtschaftet werden.
Sobald das Vertrauen schwindet oder das System nicht mehr genügend neue Investoren anzieht, kollabiert das Modell. Die meisten Anleger verlieren dann einen großen Teil ihres eingesetzten Kapitals.
Michael Saylor widerspricht der Ponzi-These
Der Unternehmer und Bitcoin-Befürworter Michael Saylor widersprach Johnsons Aussage deutlich. In einer Antwort erklärte Saylor, dass Bitcoin per Definition kein Ponzi-Schema sein könne. Ein Ponzi-System erfordere einen zentralen Betreiber, der Renditen verspreche und frühe Investoren mit dem Geld späterer Teilnehmer auszahle.
Bitcoin is not a Ponzi scheme. A Ponzi requires a central operator promising returns and paying early investors with funds from later ones. Bitcoin has no issuer, no promoter, and no guaranteed return—just an open, decentralized monetary network driven by code and market demand.
— Michael Saylor (@saylor) March 13, 2026
Bitcoin funktioniere dagegen völlig anders. Es gebe keinen zentralen Emittenten, keinen Betreiber und keine Person, die Renditen garantiere. Stattdessen sei Bitcoin ein offenes, dezentrales Netzwerk, dessen Regeln im Code festgelegt sind und dessen Wert sich ausschließlich durch Angebot und Nachfrage auf freien Märkten bilde.
Tatsächlich unterscheidet sich Bitcoin strukturell fundamental von klassischen Betrugssystemen. Die Blockchain ist öffentlich einsehbar, der Code ist Open Source und niemand kann Anlegern feste Renditen garantieren. Investoren kaufen Bitcoin in der Hoffnung auf Wertsteigerung – ähnlich wie bei anderen knappen Assets wie Gold oder Technologieaktien.
Dass der Preis stark schwanken kann und von Marktstimmung beeinflusst wird, bedeutet daher nicht automatisch, dass es sich um ein Ponzi-Schema handelt. Vielmehr handelt es sich um einen freien Markt, dessen Preisbildung durch globale Nachfrage bestimmt wird. Aus dieser Perspektive erscheint die Bezeichnung von Bitcoin als Ponzi-System aus ökonomischer Sicht wenig überzeugend.
Die Beschreibung eines Ponzi-Schemas dürfte eher auf Fiatwährungen zutreffen als auf Bitcoin.
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