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Interactive Brokers im Interview: “Würde die US-Wahl sozialistisch ausgehen, wäre das wahrscheinlich nicht gut für den Markt”

Steve Sanders ist seit 19 Jahren Leiter “Produktentwicklung & Marketing” von Interactive Brokers LLC (IB), der elektronischen Handelsplattform mit den höchsten täglichen Durchschnittseinnahmen der USA. In einem Interview mit Kryptoszene.de spricht er über Herausforderungen des Krypto-Tradings, Auswirkungen der anstehenden US-Präsidentschaftswahlen und Trends 2020.

Hallo Herr Sanders, wie ist die Wahrnehmung von Kryptowährungen in den USA? Empfinden Sie die Staaten als kryptofreundlich?

Aktuell ist es von Staat zu Staat unterschiedlich. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber New York scheint gut dabei zu sein. Ehrlich gesagt: ich denke, dass sich viele Menschen da draußen ernsthaft wundern, was diese Entwicklungen eigentlich alles zu bedeuten haben.

Trotzdem bietet Interactive Brokers Kryptowährungen an.

Bei Kryptos waren wir von Tag eins dabei und werden das Vorhaben auch weiterhin unterstützen, denn unser Schwerpunkt liegt schon seit der Gründung auf der Technologie. Das war für die damaligen ‘alten Tage’ sehr unüblich. Market Making war in der Zeit noch ein rein menschliches Unterfangen. Alles in allem haben wir aber nicht sehr viel mit Kryptos zu tun. Wir beschränken uns auf Dinge, die an der Börse gehandelt werden. So bieten wir Bitcoin-Futures von der CME Group an, und wir haben kürzlich Bitcoin-Optionen eingeführt. Nur echte Bitcoin Token bieten wir bisher nicht an.

Was hindert sie daran?

Wir sind ein weltweiter Broker und bieten Produkte in über 130 Marktzentren weltweit an. Bei Bitcoin-Futures handelt es sich um ein Produkt, das auf einer Exchange, der CMA, gehandelt wird. Bitcoin Token hingegen werden nicht an der Börse gehandelt, daher bieten wir sie auch nicht an. Der Prozess wäre auch sehr komplex und das ist es uns im Moment nicht wert.

Was nicht ist, kann ja noch werden.

Natürlich. Es besteht immer die Möglichkeit, momentan stehen wir aber zu vielen Hindernissen gegenüber.

Nennen Sie mir mal ein Beispiel.

Regulierungen zum Beispiel. Das ist wahrscheinlich das größte Hindernis im Moment. Einige der Staaten, wie New York, haben Regulierungen eingeführt. Aber die sind leider nicht universell gültig. Infolge standardisierter Regelungen wären wir sicherlich mehr daran interessiert.

Lassen Sie uns über die Zukunft reden. Welche Trends erwarten Sie für dieses Jahr im Broker-Geschäft?

Es ist natürlich nur eine Vermutung: Ich sehe ein großes Interesse weltweit von Menschen ihr Angebot zu diversifizieren, an Orten außerhalb ihres eigenen Landes zu handeln. Auch sehr viel Wachstum außerhalb der Vereinigten Staaten. Als ich 2001 hier anfing, waren die meisten unserer Kunden aus den USA. Heute sind es weniger als 25 Prozent.

Wir selbst werden eine Sache launchen, die auf dem ausländischen Markt eine große Rolle spielen wird: Offshore-Fonds. Fonds für Personen, die nicht in den USA ansässig sind. Sie sind unter anderem beliebt für die daraus resultierenden Steuervorteile. Große Namen wie BlackRock, Fidelity und State Street machen das auch. Momentan bieten wir 5.000 von ihnen auf unserer Plattform an und fügen wahrscheinlich bald weitere 20.000 im Laufe des Jahres hinzu. Damit wären wir der größte Fondssupermarkt weltweit.

Inwiefern werden sich die diesjährigen Präsidentschaftswahlen der USA auf die Märkte auswirken?

Oh. Das hängt sicherlich davon ab, wer am Ende gewinnt. Würde die Wahl eher sozialistisch ausgehen, wäre das wahrscheinlich nicht gut für den Markt. Aber Achtung: das Brokergeschäft läuft gut, wenn die Märkte fallen; wenn die Märkte steigen; und wenn es Volatilität gibt. Das Broker-Geschäft läuft dann schlecht, wenn die Dinge sich seitwärts bewegen oder nichts passiert.

Könnten Sie erklären, warum.

Im Grunde genommen ist es so: Wir versammeln eine Menge anspruchsvoller Investor*innen und Händler*innen in unserem Geschäft. Sobald sie sehen, dass sich  die Märkte bewegen, steigen sie ins Geschäft ein. Warum? Das ist ihre Gelegenheit, Geld zu machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es nach oben oder unten geht.

Sie sagten, einer der Schwerpunkte des Unternehmens läge auf der Technologie. Beschäftigen Sie sich dabei auch mit Fragen der Nachhaltigkeit? Wie wollen Sie damit in Zukunft umgehen?

Ja. Environmental-Social-Governance ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir bieten Fonds und eine Menge Forschung dazu an. Ein weiterer Schwerpunkt von uns in der letzten paar Jahren.

Welche Kriterien machen Interactive Brokers gegenüber anderen Brokern konkurrenzfähig? Nennen Sie mal drei.

Erstens, niedrige Kosten. In der Branche muss man ein kostengünstiger Anbieter sein, um zu überleben. Zweitens, wir bieten unsere Aktienoptionen, Futures, Anleihen und Fonds von einem einzigen Konto in mehreren Währungen weltweit an. Und drittens stellen wir unseren Kund*innen immer die beste Technologie und die besten Tools für den Handel sowie die Investitionen bereit.

Außerdem, damit wären es vier,  bieten wir Kund*innen in über 200 Ländern weltweit unsere Maklerdienste an. Damit sind wir wirklich der einzige internationale Broker auf der Welt, der das tut. Jemand, der ein Konto in Hongkong in Hongkong-Dollar eröffnet, kann damit auf der ganzen Welt handeln.

Vielen Dank für das Gespräch

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Ich bin freie Journalistin, lebe in London und studiere im Erasmus Mundus Master International Journalism, Media and Globalisation. Brennend interessiere ich mich für Zukunftstechnologien, Digitalisierung und (digitale) Trends.

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