Der Kryptomarkt legt nach der jüngsten Erholung wieder eine kleinere Konsolidierung ein. Ethereum fällt dabei erneut unter die Marke von 1.900 US-Dollar und bleibt damit klar in seinem übergeordneten Bärenmarkt gefangen. Seit Jahresbeginn hat ETH rund ein Drittel seines Wertes verloren, während der Kurs mittlerweile etwa 70 Prozent unter seinem Allzeithoch liegt. Trotz dieser ausgeprägten Schwäche entstehen auf der Blockchain jedoch erste Hinweise darauf, dass sich die Angebotsseite verändert.
Denn während der Kurs weiterhin unter Druck steht, scheinen zunehmend weniger Marktteilnehmer bereit zu sein, Ethereum auf dem aktuellen Niveau zu verkaufen.
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Ethereum-Verkäufer erschöpft: Metrik erreicht Zehnjahrestief
Genau darauf deutet aktuell die sogenannte Seller Exhaustion Constant hin. Die von Glassnode verwendete On-Chain-Metrik versucht zu erfassen, wann Verkäufer zunehmend ihre Bereitschaft verlieren, weitere Coins auf den Markt zu werfen. Dafür werden unter anderem die realisierte Volatilität sowie die Gewinn- und Verlustsituation der bewegten Coins miteinander kombiniert. Besonders niedrige Werte entstehen typischerweise dann, wenn nach einer langen Abwärtsbewegung sowohl die Handelsaktivität als auch der Verkaufsdruck deutlich nachlassen.
Aktuell ist dieses Signal bei Ethereum auf einen der niedrigsten Werte der vergangenen Dekade gefallen. Laut der vorliegenden Glassnode-Auswertung befindet sich die realisierte Volatilität sogar innerhalb der niedrigsten drei Prozent ihrer historischen Beobachtungen. Gleichzeitig liegen mehr als 60 Prozent des ETH-Angebots aktuell unter dem jeweiligen Anschaffungspreis der Besitzer. Ein großer Teil des Marktes sitzt somit auf nicht realisierten Verlusten.
#ETH Seller Exhaustion at the lowest in a decade.
Realized vol in the bottom 3% of history, and over 60% of supply underwater.
Bottoms get built out of conditions like this: seller side is emptying, the bid still needs to show up. pic.twitter.com/8QRBzhv0Th
— Rafael (@n3ocortex) August 14, 2026
Gerade diese Kombination ist bemerkenswert. Nach einer langen Baisse haben viele kurzfristig orientierte Anleger ihre Positionen häufig bereits verkauft. Andere Investoren befinden sich wiederum so deutlich im Minus, dass ihre Bereitschaft sinkt, auf den niedrigen Kursniveaus ebenfalls noch zu kapitulieren. Das verfügbare Verkaufsangebot kann dadurch schrittweise austrocknen.
Historisch traten vergleichbar niedrige Werte der Seller Exhaustion Constant mehrfach in Phasen auf, in denen Ethereum zumindest in die Nähe größerer zyklischer Tiefpunkte gelangte. Ein unmittelbares Kaufsignal ergibt sich daraus allerdings nicht. Denn ein erschöpftes Verkäuferlager bedeutet zunächst lediglich, dass die Angebotsseite schwächer wird.
Für eine nachhaltige Bodenbildung fehlt damit noch die zweite Komponente: neue Nachfrage. Wie es auch die Analyse zusammenfasst, leert sich die Verkäuferseite zunehmend – nun müssen Käufer tatsächlich bereit sein, auf den Markt zurückzukehren. Erst wenn dieser Nachfrageimpuls entsteht, könnte die derzeitige Verkäufer-Erschöpfung zu einer belastbareren Trendwende bei Ethereum beitragen.
Ethereum-Staking erreicht Rekordhoch – Angebot wird zunehmend knapper
Ein weiterer potenziell bullischer Faktor zeigt sich aktuell beim Ethereum-Staking. Nach Daten von Token Terminal ist die Staking-Quote zuletzt auf rund 34,4 Prozent gestiegen und hat damit ein neues Allzeithoch erreicht. Mehr als ein Drittel des verfügbaren ETH-Angebots ist somit inzwischen im Staking gebunden.
🔥 LATEST: Ethereum’s staking ratio has reached a record 34.4%, according to Token Terminal. pic.twitter.com/WkhpJdIgRZ
— Cointelegraph (@Cointelegraph) August 12, 2026
Für Ethereum ist diese Entwicklung gleich aus zwei Gründen interessant. Zunächst wirkt sie sich unmittelbar auf die Angebotsseite aus. ETH, die gestakt werden, stehen nicht ohne Weiteres für kurzfristige Verkäufe am freien Markt zur Verfügung. Je größer der Anteil der gestakten Coins wird, desto kleiner fällt damit zumindest theoretisch das liquide Angebot aus. Kommt anschließend neue Nachfrage in den Markt, kann ein begrenzteres verfügbares Angebot stärkere Auswirkungen auf den Kurs haben.
Gerade in Verbindung mit der zuvor beschriebenen Verkäufer-Erschöpfung entsteht damit eine interessante Konstellation. Einerseits nimmt der aktive Verkaufsdruck ab, andererseits wird ein immer größerer Teil des ETH-Angebots langfristig gebunden. Eine solche Angebotsverknappung kann die Voraussetzungen für stärkere Kursbewegungen schaffen, sobald Käufer wieder offensiver auftreten.
Ethereum just reached another major milestone, with 41.9M ETH now staked, representing 34.37% of the entire ETH supply, the highest level ever recorded.
More than one-third of all ETH is now committed to securing the network, and the trend continues to move steadily higher.… pic.twitter.com/luVxigKkNl
— Everstake (@everstake_pool) August 14, 2026
Darüber hinaus lässt die steigende Staking-Quote auch Rückschlüsse auf das Vertrauen der Anleger zu. Wer Ethereum stakt, entscheidet sich in der Regel gegen maximale kurzfristige Liquidität und dafür, seine Coins zur Absicherung des Netzwerks einzusetzen und Staking-Erträge zu verdienen. Eine Rekordquote deutet deshalb darauf hin, dass viele Marktteilnehmer Ethereum trotz des massiven Bärenmarktes weiterhin langfristig halten wollen.
Damit liefert die Entwicklung noch kein unmittelbares Signal für eine Trendwende. Sie zeigt jedoch, dass sich die strukturelle Angebotslage von Ethereum zunehmend verengt – ein Faktor, der bei einer Rückkehr der Nachfrage durchaus bullische Dynamik entfalten könnte.
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