Revolut hat am Mittwoch mit dem Rollout seines ersten eigenen Stablecoins begonnen. Der Euro-gebundene Token EURR startet zunächst für eine begrenzte Kundengruppe in Dänemark, Polen und Portugal. Eine Ausweitung auf den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum ist für das laufende Jahr geplant.
- Start: Limitierter Rollout in Dänemark, Polen und Portugal seit Mittwoch
- Emittent: Bridge ist der Emittent; Stripe hält und verwaltet die Reserven
- Regulierung: EURR soll den MiCA-Vorgaben der EU entsprechen und bei einem Euro stabil bleiben
Bridge als Emittent, MiCA als Rahmen
Emittiert wird EURR von Bridge, einem Stablecoin-Infrastrukturunternehmen, das Stripe gehört. Stripe hält und verwaltet die Reserven, die den Token decken sollen. Revolut betont, dass die Verwahrung der Reserven den Vorgaben der europäischen MiCA-Verordnung entspricht. Der Token soll dauerhaft an einen Wert von einem Euro gekoppelt bleiben und lässt sich direkt in der Revolut-App nutzen. Geplant ist die Unterstützung mehrerer Blockchain-Netzwerke und externer Wallets.
Nach Angaben von Cointelegraph geht EURR zunächst auf Ethereum live. Transfers zu externen Wallets sollen für ausgewählte Kunden sofort verfügbar sein und mit wachsender Liquidität schrittweise breiter geöffnet werden. Rund zwei Millionen Kunden sind demnach in den initialen Rollout in den drei Startmärkten einbezogen. Fiat-Transaktionen sollen laut derselben Quelle ohne Gebühren oder Spreads erfolgen, während für den Krypto-Handel die üblichen Revolut-Limits gelten.

80 Millionen Kunden als Hebel
Emil Urmanshin, bei Revolut zuständig für Krypto und neue Geschäftsfelder, erklärte laut Unternehmensmitteilung, EURR verbinde die mehr als 80 Millionen Kunden des Fintechs direkt mit On-Chain-Finanzdiensten. Die Kombination aus globaler Größe und regulierter Bankinfrastruktur biete aus seiner Sicht einen Vorteil, den klassische Banken und native Krypto-Plattformen so nicht hätten.
Iman Olya, verantwortlich für das Stablecoin-Produkt bei Revolut, ordnet den Schritt als Fortsetzung einer bereits bekannten Strategie ein: Ähnlich wie das Unternehmen versteckte Gebühren beim Devisenwechsel reduziert habe, solle nun auch der Wechsel zwischen On- und Off-Chain-Welt reibungsloser werden. Mai Leduc Blount, Produktverantwortliche bei Bridge, verweist zudem darauf, dass Zulassungen wie eine E-Geld-Lizenz in Verbindung mit MiCA die notwendige Vertrauensbasis für den Betrieb einer Euro-Infrastruktur schaffen.
Kleiner Markt, große Ambitionen
Der Einstieg erfolgt in einem Segment, das bislang klar vom US-Dollar dominiert wird. Laut Bloomberg hat sich die kombinierte Marktkapitalisierung aller Stablecoins im Jahr 2026 nach mehreren Jahren schnellen Wachstums stabilisiert, während von Visa erhobene Daten seit Mitte 2023 auf eine Abkühlung der Transaktionsvolumina hindeuten. Nach Zahlen von DefiLlama entfallen rund 85 Prozent aller im Umlauf befindlichen Stablecoins weiterhin auf USDT von Tether und USDC von Circle. Euro-gebundene Token bleiben demnach ein kleiner Bruchteil des Gesamtmarkts.
Revolut hatte im Oktober vergangenen Jahres von der zyprischen Aufsichtsbehörde CySEC eine MiCA-Lizenz erhalten, wie The Banker berichtete. Damit zählt das Unternehmen zu den ersten größeren Fintechs mit europaweiter Zulassung für Kryptodienstleistungen. Parallel arbeitet laut derselben Quelle ein Konsortium aus 37 europäischen Banken unter dem Namen Qivalis an einem eigenen Euro-Stablecoin unter Aufsicht der niederländischen Zentralbank. Die Markteinführung ist für die zweite Jahreshälfte geplant.

Ausblick
Revolut plant, EURR bis Jahresende auf den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum auszuweiten und zudem Varianten des Tokens in weiteren Währungen zu prüfen. Ob und wie schnell dies geschieht, hängt laut Unternehmensangaben davon ab, wie das Produkt funktioniert und wie Regulierungsbehörden reagieren.
Quelle: Xataka
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