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Was ist die Finanztransaktionssteuer?

Steuern: Ein Thema, um das man beim Aktienhandel nicht herum kommt. Hier befassen wir uns mit der Finanztransaktionssteuer. Was ist sie, wie wird sie abgezogen und was muss man wissen? Kryptoszene gibt Antworten.
Author: Steffen

Zuletzt Aktualisiert: 24. März 2020

Die Finanzmarkttransaktionssteuer, im Allgemeinen Finanztransaktionssteuer genannt, kann für Anleger künftig ein wichtiges Thema bei ihren Investments werden. Es handelt sich dabei, wie der Name vermuten lässt, um eine Steuer auf Finanztransaktionen im börslichen und außerbörslichen Sektor.

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    Die Finanztransaktionssteuer zählt zu den so genannten Verkehrssteuern, die im Wirtschaftsverkehr erhoben werden. Andere Verkehrssteuern sind zum Beispiel die Umsatzsteuer oder die Grunderwerbssteuer.

    Wie ist die Finanztransaktionssteuer entstanden?

    Taxes photoAuch wenn die Finanztransaktionssteuer jetzt in aller Munde ist, ist das Konzept dahinter grundsätzlich nicht neu. Sie geht schon auf das Jahr 1936, nach der Großen Depression, zurück. Damit gemeint ist eine schwere Wirtschaftskrise in den USA, die am 24. Oktober 1929 mit dem „Schwarzen Donnerstag“ begann und die 1930er Jahre bestimmte.

    Der britische Ökonom John Maynard Keyns kam zu der Erkenntnis, dass eine solche Finanztransaktionssteuer Spekulationen ausbremsen könnte und Unternehmen sich mehr auf nachhaltige Gewinnstrategien konzentrieren würden. Kritiker seiner Argumentation monierten jedoch schon damals, dass die Finanztransaktionssteuer zu einem Rückgang des Handelsvolumens in den Märkten führen würde.

    Deutlich später und zwar in den 1970er-Jahren schlug der US-amerikanische Wirtschaftswissenschafter James Tobin, die nach ihm benannte Tobins-Steuer vor. Es handelt sich dabei um eine Finanztransaktionssteuer auf Devisengeschäfte. Tobin stellte die Theorie auf, dass dies ein Instrument sein könnte, dass die ungehemmte Verschiebung von Finanzkapital unterbinde.

    Finanztransaktionssteuer: Seit Finanzkrise wieder in aller Munde

    Wieder verstärkt in den öffentlichen Fokus geriet die Finanztransaktionssteuer seit der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2007. Allerdings konnte in der EU damals kein Abkommen zur EU-weiten Einführung der Finanztransaktionssteuer erzielt werden. Kritiker führen dies auf den Einfluss der Finanzindustrie zurück.

    Es gab bzw. gibt aber ähnliche Instrumente, die jedoch nicht so eine umfassende Marktwirkung haben wir eine allgemeine Finanztransaktionssteuer. Zu nennen ist hier etwa die Börsenumsatzsteuer auf den Umsatz mit Wertpapieren. Die Börsenumsatzsteuer wurde in Deutschland im Zuge des ersten Finanzmarktförderungsgesetzes wieder abgeschafft. Trotzdem ist die Diskussion um die Finanztransaktionssteuer bis heute akut.

    Finanztransaktionssteuer: Das ist ab 2021 geplant

    Im Juni 2019 verständigten sich die zehn EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Belgien, Griechenland, Italien, Portugal, Österreich, der Slowakei, Slowenien und Spanien darauf, dass ab 2021 eine Finanztransaktionssteuer gelten soll, die lediglich Käufe von Aktien betrifft. Seit dem 9. Dezember 2019 liegt dazu ein Gesetzesentwurf vor.

    Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz hat eine Steuer von 0,2 Prozent je Transaktion angeregt. Allerdings kommt von Seiten Österreichs Widerstand gegen die bisher vorgelegten Pläne. Bei der Steuer soll das Ausgabeprinzip Anwendung finden, so dass diese auch abgeführt werden muss, wenn im nicht-europäischen Ausland mit europäischen Aktien gehandelt wird. Betroffen sein sollen allerdings nur Aktien großer Unternehmen mit einem Wert vom mehr als einer Milliarde Euro. Dazu zählen in Deutschland rund 145 Unternehmen, darunter alle im Aktienindex DAX gelisteten Konzerne.

    Es soll jedoch Ausnahmen von der Finanztransaktionssteuer geben. Das betrifft etwa Börsengänge von Unternehmen zur Beschaffung von neuem Kapital. Ob die Steuer auf Aktienfonds und andere Finanzprodukte zur Altersvorsorge greift, darf jedes der zehn EU-Staaten, die das Gesetz umsetzen wollen, wohl selbst entscheiden.
    Die Pläne zur Finanztransaktionssteuer können immer noch gekippt werden, sofern neben Österreich weitere Staaten Bedenken anmelden. So lange es kein beschlossenes Gesetz gibt, bleibt die Umsetzung der Finanztransaktionssteuer in der Schwebe.

    Das sind die Meinungen zur Finanztransaktionssteuer

    Die erhofften Ziele der Finanztransaktionssteuer sind eine Stabilisierung und Marktregulierung von Finanzmärkten. Spekulativer Handel soll erschwert werden. Zudem könnte die Steuer dem Staat Milliardeneinnahmen in die Kassen spülen, die für andere Projekte, zum Beispiel die Finanzierung der Grundrente, genutzt werden könnten. Soweit die Argumente der Befürworter. Skeptiker befürchten jedoch, dass die spekulativen Geschäfte sich einfach auf andere Handelsplätze verlagern werden, wo keine Finanztransaktionssteuer erhoben wird. Auch könnten steuerauslösende Transaktionen bewusst umgangen werden.

    Gutachten kritisiert Finanztransaktionssteuer

    Die FDP hat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses sieht die Finanztransaktionssteuer kritisch. So würden nicht die Großanleger durch die Steuer getroffen, sondern die Kleinanleger. Großen und professionellen Investoren könnten die Steuer relativ leicht umgehen. Ein Teil der Kleinanleger würde hingegen durch die Steuer komplett abgeschreckt mit Wertpapieren zu handeln, da die Kosten als zu hoch wahrgenommen würden. Die Gutachter dazu:

    „Die ohnehin sehr geringe Quote von gegenwärtig etwa 16 Prozent der Anleger, die im Aktienmarkt investiert sind, dürfte sich durch Einführung der Steuer weiter verringern.“

    Der andere Teil würde versuchen, die Zusatzkosten der Finanztransaktionssteuer durch ein höheres Risiko zu kompensieren. Damit würde die Spekulation eher noch befeuert unter den Kleinanlegern. Die Gutachter halten es auch nicht für zielführend, wenn die Kleinanleger in der Konsequenz in weniger wertvolle Aktien investieren, die nicht von der Finanztransaktionssteuer betroffen sind.

    Unter dem Strich diene die Finanztransaktionssteuer vor allem der Staatskasse, so das Fazit der Studie.

    Finanztransaktionssteuer: Wie stark werde ich belastet?

    Anleger von Wertpapieren stellen sich nun natürlich die Frage, inwieweit sie persönlich von der Finanztransaktionssteuer belastet sein werden. Eine Musterrechnung zeigt, wie sich die Steuer auswirkt bei Aktien oder bei einem ETF-Sparplan.

    Taxes photoAnleger A kauft Aktien im Wert von 20.000 Euro von Unternehmen, die alle mehr als eine Milliarde Euro wert sind und damit unter die Finanztransaktionssteuer fallen. Seine abzuführende Steuer im Zuge des Aktienkaufs beträgt dann 20.000 * 0,002. Das entspricht einem Betrag von 40 Euro. Die Finanztransaktionssteuer wird bei jedem weiteren Aktienkauf erneut fällig. Das ist auf den ersten Blick nicht viel. Jedoch steigt die Steuer je mehr in Aktien investiert wird.

    Anleger B bespart über 25 Jahre einen ETF-Sparplan mit 300 Euro im Monat, um sich ein Polster für die Altersvorsorge anzulegen. Insgesamt investiert er somit während der Sparphase 90.000 Euro in ETFs. Nimmt man an, die jährliche Rendite beträgt 4 Prozent, hätte der Anleger zum Ende der Sparphase Zinserträge von gut 63.000 Euro angehäuft. Wird jetzt jedoch die Transaktionssteuer von 0,2 Prozent mit eingerechnet, sinkt der monatliche Anlagebetrag von 300 Euro auf 299,40 Euro. Das wirkt auf den ersten Blick wenig. Über die gesamte Ansparphase von 25 Jahre hat dies jedoch schon eine deutliche Auswirkung. Das Sparvolumen sinkt um 180 Euro und der Zinsertrag um weitere 130 Euro. Macht unter dem Strich einen Fehlbetrag von 310 Euro. Auch hier gilt, dass bei größeren Anlagebeträgen auch größere Summen an Finanztransaktionssteuer fällig werden.

    Natürlich greift diese Modellrechnung nur, wenn die Finanztransaktionssteuer Anwendung findet und es in den nächsten 25 Jahren keine rechtlichen Änderungen dazu gibt.

    Wie kann ich die Finanztransaktionssteuer vermeiden?

    Für Kleinanleger ist es im Vergleich zu professionellen Anlegern nicht so einfach die Finanztransaktionssteuer zu umgehen, weil es umfassende Kenntnisse benötigt, um alternative Renditemodelle am Finanzmarkt zu nutzen. Neben den Aktien von Unternehmen mit einem Wert von weniger als einer Milliarde Euro, sieht es bislang so aus, dass Derivate von der Finanztransaktionssteuer ausgenommen sind. Hier würde sich also eine Option bieten. Allerdings ist der Derivatehandel ein anderes Feld, dass entsprechendes Wissen des Anlegers voraussetzt.

    Derivate sind dadurch gekennzeichnet, dass sich der Preis von der Entwicklung eines Basisprodukts ableitet. Neben Aktien können das zum Beispiel auch Rohstoffe sein.

    Unterschieden wird zwischen drei Arten von Derivatgeschäften

    Festgeschäft: Hierbei handelt es sich um ein Termingeschäft zwischen dem Verkäufer und Käufer. So verpflichtet sich der Verkäufer zu einem bestimmten Zeitpunkt entweder den Basiswert oder einen Barausgleich in Höhe des aktuellen Marktwertes zu zahlen. Im Gegenzug sagt der Käufer im Termingeschäft zu, eine bestimmte Zahlung zu leisten. Je nachdem ob während der Laufzeit der Marktpreis des Basiswertes steigt oder fällt, profitieren Käufer oder Verkäufer.

    Optionsgeschäft: Mehr Flexibilität als das Festgeschäft verspricht das Optionsgeschäft für Anleger. Der Käufer hat hier zum Termin das Recht aber nicht die Pflicht eine bestimmte Menge des Basiswertes zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Diese Wahlmöglichkeit (Option) ist allerdings nicht kostenlos. Der Verkäufer lässt sich die Flexibilität des Käufers durch eine Optionsprämie vergüten.

    Swapgeschäft: Eine andere Form des Termingeschäfts ist das Swapgeschäft. Dabei handelt es sich eigentlich um eine hintereinander festgelegte Reihe von Termingeschäften. Hier findet der Leistungsaustausch zwischen Käufern und Verkäufern nicht einmalig, sondern über eine bestimmte Laufzeit hinweg regelmäßig statt. Dabei sichert die eine Partei die Zahlung eines festen Zinssatzes auf einen Nennbetrag zu, während die andere Partei einen variablen Nennbetrag verspricht.

    Wette auf die Kursentwicklung

    Wer mit Derivaten handelt, kauft nicht das Basisprodukt selbst, sondern geht sozusagen eine Wette auf eine Kursentwicklung des Basisprodukts ein. Dabei kann zum Beispiel im Falle eines Kursanstiegs die Rendite durch das Derivat höher sein als die tatsächliche Wertsteigerung des Basisproduktes. Entscheidend ist die Abbildung des Basisproduktes. Bei einer 1:1-Abbildung ist der Gewinn zum Beispiel kleiner als bei einer 1:10-Abbildung. In diesem Fall würde der Gewinn zehnmal höher liegen, wenn die „Wette“ erfolgreich ist. Der Derivatehandel kann für unerfahrene Anleger deutlich riskanter als der klassische Wertpapierkauf sein und setzt somit ein umfangreiches Know-how beim Anleger voraus.

    Allerdings dienen Derivate nicht nur zur Spekulation, sondern auch zu Risikoabsicherung.

    Fazit

    Die Einführung der Finanztransaktionssteuer im Jahr 2021 dürfte vor allem für Kleinanleger eine Herausforderung werden. Wollen sie keine Einbußen im Handel mit Aktien oder etwa auch bei der Besparung von ETFs für die Altersvorsorge hinnehmen, müssen sie sich über alternative Anlagemodelle Gedanken machen. Eine Option könnte der Derivatehandel sein. Hier sollten Anleger jedoch nichts überstürzen, sondern sich vorher umfassend mit der Thematik beschäftigten und am besten weiterbilden. Unter dem Strich ist der zu erwartende Einnahmeausfall für Anleger zwar schmerzhaft, aber doch erträglich. Ob die mit der Finanzmarkttransaktionssteuer gewünschten Ziele von mehr Stabilität und weniger Spekulation im Finanzmarkt allerdings erfüllt werden, bleibt abzuwarten.

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    Steffen hat Medien, Politik und Kulturwissenschaft studiert und nebenher bereits erste Erfahrungen im Print-, Radio- und Hörfunkjournalismus gesammelt. Nach seinem Studienabschluss hat er seine Journalistenausbildung in einem Verlag für Wirtschaft & Sport absolviert. Dem Wirtschaftsjournalismus ist er auch bei seinen weiteren Tätigkeiten als Redakteur stets treu geblieben und verfügt inzwischen über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung. Er interessiert sich für Finanzthemen aller Art, Aktien und Kryptowährungen sind sein Steckenpferd.