Der Patentkrieg, der das Ende von Bitcoin hätte einleiten können

In den letzten Monaten gab es viel Streit unter den Bitcoin Minern wegen verschiedenen Patenten. Wenn ein Miner es schaffen würde, ein wichtiges Patent zum Minen für sich zu beanspruchen und es nicht verfügbar macht, dann kann das schnell dazu führen, dass alle anderen Miner nicht mehr Wettbewerbsfähig sind. Das wiederum führt dann dazu, dass ein Miner allein schnell über 50% der Mining Power im Bitcoin Netzwerk stellt und damit die Blockchain beliebig umschreiben kann. Die Idee von einer dezentralen Kryptowährung wäre damit hinfällig. Diese Situation scheint jetzt aber erst einmal abgewendet zu sein.

Bitcoin Mining ist ein wettbewerbsintensives Feld. Kleine technische Fortschritte können hier schon einen großen Unterschied machen. Dazu muss man wissen, dass Bitcoin Mining von ein paar großen Minern kontrolliert wird. Kleinere Miner und Privatpersonen haben in dem Bereich keinen nennenswerten Einfluss mehr.

Bitcoin Miner Marktanteil (BTC.com = Bitmain)

Eine wichtige Erfindung bei den Bitcoin Minern war der AsicBoost. Mit diesem wird das Bitcoin Mining etwa 15-20% effektiver. Dies ist eine ganze Menge, denn die Marge bei den Minern wird bei deutlich unter 20% liegen. Der AsicBoost wurde auch patentiert, das Patent liegt mittlerweile bei einer Firma die sich Little Dragon Technology LLC nennt.

Patente im Mining Bereich sind immer kritisch. Denn wenn eine Firma es schaffen würde ein wichtiges Patent für sich zu beanspruchen, kann es schnell dazu kommen, dass diese Firma wesentlich effizienter minen kann als die Wettbewerber. Dies würde dazu führen, dass große Wettbewerber ausscheiden könnten und ein großer Miner damit schnell über 50% der gesamten Rechenleistung im Bitcoin Netzwerk zur Verfügung stellt. Damit kann der Miner die Blockchain beliebig umschreibenkontrollieren.

Immer wieder geklagt gegen Patentverletzungen hat der größte Miner im Bitcoin Netzwerk, Bitmain (im Chart der Marktanteile der Miner als BTC.com eingezeichnet). Allerdings hat sich die Firma dabei auch einiges zu Schulden kommen lassen. Dazu muss man wissen, dass Bitmain nicht nur selber mined sondern auch Mining Hardware verkauft. Wie letztes Jahr aufgedeckt wurde, hatte Bitmain den AsicBoost in die eigene Hardware integriert bzw. es einfach gemacht ihn zu integrieren, die als Mining Hardware verkauft wurde. Bitmain wurde auch beschuldigt, den AsicBoost unerlaubter Weise selbst zum Minen zu nutzen und damit gegen das Patent zu verstoßen. Dies konnte allerdings nie nachgewiesen werden, da von außen nicht festzustellen ist ob der AsicBoost genutzt wird. Zumindest war dies bis zur SegWit Integration der Fall. Mit SegWit ist dies allerdings sichtbar. Das heißt Miner können den AsicBoost nicht mehr nutzen ohne, dass dies von anderen zu erkennen ist. Daher war Bitmain auch der größte Kritiker von SegWit.

Bitmain Antminer

Der AsicBoost an sich ist ein unkritisches Element für das Bitcoin Netzwerk. Zwar sind die Miner darauf angewiesen, würde der Patentinhaber den AsicBoost aber nicht mit den anderen Minern teilen, dann könnte auch der Bitcoin Source Code umgeschrieben werden, was den AsicBoost hinfällig machen würde. Halten wir also Fest der AsicBoost ist zwar patentiert, aber es bringt dem Patentinhaber nur etwas, wenn alle darauf Zugriff haben.

Bitmain selbst befindet sich derzeit in einem Patentstreit mit Bitewei, einer Firma die von einem ehemaligen Mitarbeiter gegründet wurde. Die Firma besitzt ein Patent, dass dafür verantwortlich ist, dass Energie effizient zum Mining Chip übertragen wird. Bitmain behauptet jetzt, dass ihnen das Patent gehört, da es zu der Zeit entwickelt wurde, als der Mitarbeiter noch bei Bitmain gearbeitet hat.

Bei dem Patent handelt es sich um ein kritisches Patent, denn es macht das Mining wesentlich effektiver und kann auch nicht durch eine Änderung im Source Code umgangen werden. Würde Bitmain das Patent zugesprochen werden ist davon auszugehen, dass sie es nicht mit anderen Teilen werden. Dadurch könnte es auch möglich werden, dass Bitmain auf absehbare Zeit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Minern hat und andere Miner daher sogar das Mining aufgeben, wodurch Bitmain schnell über 50% der Rechenleistung im Bitcoin Netzwerk stellen würde. Damit könnten sie dann effektiv die Blockchain kontrollieren. Dies würde Bitcoin nahezu wertlos machen (was auch nicht im Interesse von Bitmain ist), denn damit hätte eine einzige Firma mit kommerziellen Interessen die Kontrolle über die gesamte Bitcoin Blockchain.

Diese Situation hat sich jetzt aber entspannt. Denn die Little Dragon Technology LLC (Patentinhaber vom AsicBoost) hat sich der Blockchain Defensive Patent License (BDPL) Vereinbarung angeschlossen. In der Vereinbarung haben sich die Mitglieder darauf verständigt, dass sie ihre Patente für andere BDPL Mitglieder freigeben. Also jeder, der Mitglied bei BDPL ist, darf alle Patente der anderen Mitglieder nutzen, muss dafür aber auch seine eigenen Patente für sie freigeben. Damit fällt jetzt auch das AsicBoost Patent unter die BDPL Vereinbarung. Will Bitmain dies also zukünftig nutzen, müssen sie selber der BDPL Vereinbarung beitreten. Im Gegenzug dazu, würde auch ihr Energieeffizienz Patent für alle BDPL Mitglieder einsetzbar werden. Der deutliche Wettbewerbsvorteil von Bitmain wäre also dahin.

Über den Vorfall hat auch Charlie Lee, Gründer von Litecoin getweeted.

https://twitter.com/SatoshiLite/status/971130005332701184

https://twitter.com/SatoshiLite/status/971135341036843013

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